Absolut! Rebreather tauchen eröffnet Dir eine völlig neue Art, die Unterwasserwelt zu erleben. Du tauchst nahezu lautlos, atmest warme und feuchte Luft und kannst mit vergleichsweise kleinen Gasvorräten sehr lange unter Wasser bleiben.
Doch ein Rebreather ist kein einfacher „Atemregler ohne Blasen“. Die Technik ist komplex. Ausbildung, Wartung und Notfallmanagement sind entscheidende Bestandteile.
In diesem Beitrag erklären wir Dir, wie CCR- und SCR-Rebreather funktionieren, worin die Vorteile und Risiken liegen und für wen sich der Umstieg vom offenen System wirklich lohnt.
Was ist ein Rebreather?
Beim klassischen offenen Kreislauf – auch Open Circuit oder OC genannt – atmest Du Gas aus der Tauchflasche ein. Die Ausatemluft wird anschließend ins Wasser abgegeben. Dabei entstehen die bekannten Blasen.
Ein Rebreather arbeitet anders:
- Du atmest das Gas aus dem Atemkreislauf aus.
- Der Atemkalk bindet das entstehende Kohlendioxid (CO₂).
- Der Sauerstoffverbrauch wird durch frisches O₂ ausgeglichen.
- Das aufbereitete Gas gelangt zurück in den Atemkreislauf.
- Eine Gegenlunge gleicht die Volumenänderungen beim Atmen aus.
Der große Unterschied: Das Atemgas wird nicht nach jedem Atemzug verworfen.
Der Körper verbraucht vor allem Sauerstoff. Stickstoff und andere Bestandteile des Atemgases können im Kreislauf bleiben. Dadurch wird das Gas deutlich effizienter genutzt als beim offenen System.
CCR, SCR und OC: Die Systeme im Vergleich
Geschlossener Kreislauf: CCR
CCR steht für Closed Circuit Rebreather. Bei einem CCR bleibt nahezu das gesamte Atemgas im System.
Ein CCR benötigt in der Regel:
- eine Sauerstoffflasche
- eine Diluent-Flasche (zum Beispiel Luft oder Trimix)
- Atemkalk zur CO₂-Bindung
- Gegenlungen
- O₂-Sensoren
- Elektronik oder manuelle Regelung
- eine unabhängige Bailout-Gasversorgung
Elektronische CCR-Geräte messen den Sauerstoffpartialdruck im Kreislauf. Sinkt der Wert, wird automatisch Sauerstoff dosiert. Das Diluent dient unter anderem dazu, das Atemkreislaufvolumen zu ergänzen und das Gasgemisch an die Tiefe anzupassen.
Beim CCR entstehen während der Grundzeit kaum Blasen. Beim Aufstieg können durch expandierendes Gas dennoch einzelne Blasen austreten.
Halbgeschlossener Kreislauf: SCR
SCR steht für Semi-Closed Rebreather. Ein Teil des ausgeatmeten Gases wird wiederverwendet. Gleichzeitig wird kontinuierlich oder bedarfsabhängig frisches Gas zugeführt. Überschüssiges Gas entweicht.
SCR-Systeme:
- sind teilweise einfacher aufgebaut als CCRs
- benötigen meist weniger komplexe Elektronik
- verbrauchen mehr Gas als ein CCR
- erzeugen mehr Blasen als ein geschlossener Kreislauf
- können abhängig vom System mit Nitrox betrieben werden
Der Sauerstoffpartialdruck kann beim SCR stärker von Atemleistung und Tiefe abhängen. Deshalb ist die genaue Geräteausbildung besonders wichtig.
Offener Kreislauf: OC
Beim OC-System atmest Du aus der Flasche und gibst die Ausatemluft direkt ins Wasser ab.
| Merkmal | OC | SCR | CCR |
|---|---|---|---|
| Gasverbrauch | hoch | reduziert | sehr gering |
| Blasen | viele | einige | nahezu keine |
| Atemluft | eher trocken und kühl | teilweise warm | warm und feucht |
| Technikaufwand | gering bis mittel | mittel | hoch |
| Vorbereitung | kurz | länger | deutlich länger |
| Ausbildung | Standardausbildung | Spezialausbildung | gerätespezifische Spezialausbildung |
Die wichtigsten Vorteile beim Rebreather-Tauchen
1. Sehr lange Tauchzeiten
Der wohl bekannteste Vorteil ist die effiziente Gasnutzung. Beim CCR wird idealerweise hauptsächlich der Sauerstoff ersetzt, den Dein Körper tatsächlich verbraucht.
Der Gasverbrauch hängt dadurch nicht im gleichen Maß von der Tiefe ab wie beim offenen Kreislauf. Trotzdem bleiben Faktoren wie Atemarbeit, Kälte, Strömung und Stress entscheidend.
Gerade bei langen technischen Tauchgängen, Höhlentauchgängen und Trimix-Profilen kann das einen großen Unterschied machen. Auch teures Helium wird nicht bei jedem Atemzug ins Wasser abgegeben.
2. Nahezu lautloses Tauchen
Ohne regelmäßige Ausatemblasen wird der Tauchgang deutlich ruhiger. Das ist interessant für:
- Unterwasserfotografie
- Videoproduktionen
- Forschung und Beobachtung
- Wrack- und Höhlentauchgänge
- scheue Meereslebewesen
Viele Tiere reagieren weniger schnell auf einen Rebreather-Taucher. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du automatisch näher an jedes Tier herankommst. Rücksicht und Abstand bleiben selbstverständlich.
3. Warme und feuchte Atemluft
Die CO₂-Absorption im Atemkalk erzeugt Wärme. Zusätzlich bleibt die Feuchtigkeit im Atemkreislauf erhalten.
Das kann besonders in kaltem Wasser angenehm sein:
- weniger trockener Mund
- geringeres Kältegefühl beim Atmen
- höherer Komfort bei langen Tauchgängen
Ein Rebreather ersetzt allerdings keinen passenden Unterzieher oder Trockentauchanzug. Die thermische Gesamtplanung bleibt wichtig.
4. Ein stabileres Atemgasgemisch
Ein CCR kann den pO₂ in einem definierten Bereich halten. Dadurch kann sich – abhängig von Ausbildung, Gerät und Tauchprofil – eine effizientere Dekompressionsplanung ergeben.
Wichtig: Der Computer nimmt Dir die Verantwortung nicht ab. Du musst die Anzeigen verstehen, plausibilisieren und bei Abweichungen richtig reagieren.
Nachteile und Risiken: Warum Rebreather-Ausbildung unverzichtbar ist
Ein Rebreather bietet viele Vorteile. Gleichzeitig bringt er zusätzliche Fehlerquellen mit. Die wichtigsten Risiken sind:
Hypoxie
Befindet sich zu wenig Sauerstoff im Atemkreislauf, kann es zu Hypoxie kommen. Besonders gefährlich ist, dass eine Bewusstlosigkeit teilweise sehr plötzlich auftreten kann.
Mögliche Ursachen sind:
- falsche Sensorkalibrierung
- leere O₂-Flasche
- Sensor- oder Elektronikfehler
- falsche Ventilstellung
- ungeeignetes Diluent in geringer Tiefe
Hyperoxie
Ein zu hoher Sauerstoffpartialdruck kann zu Sauerstofftoxizität führen. Im schlimmsten Fall drohen Krämpfe und Bewusstlosigkeit unter Wasser.
Grenzwerte und Zeitlimits hängen vom Ausbildungsstandard, dem Tauchprofil und der verwendeten Ausrüstung ab. Verlasse Dich deshalb niemals nur auf voreingestellte Computerwerte.
CO₂-Durchbruch
Der Atemkalk entfernt CO₂ aus dem Kreislauf. Ist er erschöpft, falsch gepackt, feucht oder geflutet, kann CO₂ in die Einatemluft gelangen.
Warnzeichen können sein:
- ungewöhnliche Atemnot
- Kopfschmerzen
- Panikgefühl
- Leistungsabfall
- steigender Atemwiderstand
Das Tückische: CO₂-Probleme können sich schleichend entwickeln. Ein Rebreather-Tauchgang muss deshalb konservativ geplant werden.
Komplexität und Wartung
Vor jedem Tauchgang stehen Checklisten, Dichtigkeitsprüfungen, Sensorchecks, Gasprüfungen und Funktionstests an. Nach dem Tauchgang folgen Reinigung, Trocknung und Inspektion.
Zusätzlich entstehen laufende Kosten für:
- Atemkalk
- O₂-Sensoren
- Batterien
- Dichtungen
- autorisierte Wartung
- gerätespezifische Schulungen
Ein Rebreather ist kein Gerät für spontane „mal eben schnell“-Tauchgänge.
Welche Ausrüstung brauchst Du für Rebreather-Tauchgänge?
Der Rebreather selbst ist nur ein Teil des Gesamtsystems. Besonders wichtig sind redundante und gut zugängliche Komponenten.
Tauchcomputer und pO₂-Überwachung
Ein Computer sollte den verwendeten CCR-Modus, die passende Dekompressionsberechnung und die benötigten Gase unterstützen.
Der Shearwater TERIC Tauchcomputer bietet unter anderem einen CC/BO-Modus mit fixem pO₂, Multigas-Unterstützung, Bühlmann ZHL-16C mit Gradient Factors und optionale Luftintegration. Für viele CCR-Taucher kann er als Backup- oder Bailout-Computer interessant sein.
Bei der Auswahl musst Du genau unterscheiden:
- Unterstützt der Computer nur einen festen Setpoint?
- Kann er O₂-Sensoren direkt auslesen?
- Ist er als primärer CCR-Monitor vorgesehen?
- Ist das Modell mit Deinem konkreten Rebreather kompatibel?
Aktuelle CCR-Systeme werden häufig mit dedizierten Monitoren kombiniert. Die Shearwater Rebreather-Produkte zeigen beispielsweise spezielle Monitorvarianten für verschiedene Anschlüsse und Rebreather-Konfigurationen.

Gasanalysator
Vor jedem technischen Tauchgang müssen die verwendeten Gase korrekt analysiert und beschriftet werden. Für CCR-Taucher ist das besonders wichtig, da Sauerstoff und Diluent zentrale Bestandteile des Systems sind.
Der Divesoft ECHO Analyser O₂/He/CO misst:
- O₂ von 0 bis 100 Prozent
- Helium von 0 bis 100 Prozent
- CO
- mit einer O₂-Auflösung von 0,1 Prozent
Das Gerät verfügt über ein TFT-Display, USB-C-Ladung, Bluetooth und eine Akkulaufzeit von bis zu 100 Stunden. Ein präziser Analysator ersetzt natürlich nicht die korrekte Anwendung im Rahmen Deiner Ausbildung – er unterstützt aber ein sauberes Gasmanagement.

Bailout und Tarierung
Eine unabhängige Bailout-Gasversorgung ist ein zentraler Bestandteil jedes CCR-Konzepts. Sie muss für das geplante Worst-Case-Szenario ausreichen – einschließlich Aufstieg und erforderlicher Dekompression.
Auch Wing, Trockentauchanzug, Harness, Lampen und Stage-Management müssen zur Konfiguration passen. Unsere Instrumente und Tauchcomputer kannst Du dabei nach Einsatzbereich vergleichen.
Der Garmin Descent X50i unterstützt laut Produktbeschreibung unter anderem CCR-, Trimix- und Multigas-Modi sowie die Überwachung mehrerer Flaschen mit kompatiblen Sendern. Ob er für Dein konkretes CCR-Setup als Primär- oder Backup-Instrument geeignet ist, solltest Du vor dem Kauf mit Deinem Instructor und dem Gerätehersteller klären.

Wie gelingt der Einstieg in die Rebreather-Ausbildung?
Der Einstieg erfolgt immer über eine spezielle und gerätebezogene Ausbildung. Du wirst also nicht automatisch für jeden Rebreather qualifiziert, nur weil Du einen CCR-Kurs abgeschlossen hast.
Typische Voraussetzungen sind – abhängig vom Verband und Kurs:
- mindestens Open Water oder Advanced Open Water
- Nitrox-Brevet
- etwa 20 bis 30 geloggte Tauchgänge für den Einstieg
- Mindestalter von meist 18 Jahren
- gültige Tauchtauglichkeit
- sichere Tarierung und Stressresistenz
In der Ausbildung lernst Du unter anderem:
- Aufbau und Funktion des Geräts
- Atemkalk-Handling
- Sensorprüfung und pO₂-Management
- Checklisten und Human Factors
- Tarierung ohne „Lungentarierung“
- Bailout- und Notfallprozeduren
- Umgang mit Hypoxie, Hyperoxie und CO₂-Problemen
Für einen Gerätewechsel gibt es je nach Verband sogenannte Crossover- oder Qualifier-Kurse.
Lohnt sich der Umstieg auf einen Rebreather?
Für anspruchsvolle technische Taucher kann sich der Umstieg absolut lohnen. Besonders dann, wenn Du regelmäßig:
- lange Tauchgänge planst
- mit Trimix tauchst
- Höhlen oder Wracks erkundest
- Unterwasserfotografie betreibst
- möglichst ruhig und blasenarm tauchen möchtest
Für typische Urlaubstauchgänge bis etwa 20 oder 30 Meter ist der offene Kreislauf dagegen häufig praktischer. Die geringeren Kosten, die einfache Vorbereitung und die unkomplizierte Wartung sprechen hier oft für OC.
Unsere klare Einschätzung: Rebreather-Tauchen ist kein Upgrade für jeden Tauchgang, sondern eine eigene Disziplin. Technikbegeisterung allein reicht nicht. Du brauchst Disziplin, regelmäßiges Training und die Bereitschaft, Checklisten konsequent einzuhalten.
Wir sind selbst aktive Taucher und beraten Dich gerne bei der Auswahl passender Instrumente, Gasanalysatoren und technischer Ausrüstung. Kostenloser Versand gehört bei Tauchwerkstatt natürlich dazu. Deine Bestellung wird in der Regel innerhalb von 1–3 Werktagen mit DHL verschickt.
📱 Schreib uns einfach per WhatsApp unter +49 34716238518 oder per 📧 E-Mail an info@tauchwerkstatt.eu – auch am Wochenende. Wir helfen Dir umgehend weiter! 🔥
Häufige Fragen zum Rebreather-Tauchen
Ist Rebreather-Tauchen gefährlicher als Tauchen mit offenem Kreislauf?
Ein Rebreather bringt zusätzliche Risiken wie Hypoxie, Hyperoxie und CO₂-Probleme mit sich. Mit fundierter Ausbildung, konservativer Planung, regelmäßiger Wartung und konsequentem Bailout-Konzept lassen sich Risiken reduzieren. Sicher ist das System nur, wenn Du es beherrschst.
Kann ich mit jedem Tauchcomputer Rebreather tauchen?
Nein. Manche Computer bieten lediglich einen CC/BO-Modus mit festem pO₂. Andere können über spezielle Anschlüsse direkt mit den Sensoren des Rebreathers kommunizieren. Prüfe immer die Kompatibilität mit Deinem konkreten Gerät.
Wie oft muss ein Rebreather gewartet werden?
Das hängt vom Hersteller und Modell ab. Eine autorisierte Wartung erfolgt häufig mindestens jährlich. Zusätzlich müssen Atemkalk, Sensoren, Dichtungen und Batterien nach Herstellerangaben kontrolliert oder ersetzt werden.
Kann ich mit einem Rebreather tiefer tauchen?
Ein Rebreather macht tiefe Tauchgänge nicht automatisch sicherer. Die Grenzen werden durch Ausbildung, Diluent, pO₂, Dekompression, Bailout und die Herstellerfreigabe bestimmt. Tiefe CCR-Tauchgänge gehören ausschließlich in eine passende technische Ausbildung.
Welche Gase brauche ich für einen CCR?
Typischerweise Sauerstoff und ein Diluent. Bei technischen Tauchgängen kann das Diluent beispielsweise Trimix sein. Das genaue Gasmanagement richtet sich nach Gerät, Tiefe, Tauchprofil und Ausbildungsstandard.
























