Absolut! Eine gute Tauchgangsplanung sorgt nicht nur für mehr Sicherheit. Sie macht den Tauchgang auch deutlich entspannter. Denn wenn Ziel, Tiefe, Zeit, Gas und Notfallmaßnahmen vorher geklärt sind, kannst Du Dich unter Wasser ganz auf Deine Umgebung konzentrieren. 🤿
Wir sind selbst aktive Taucher und wissen: Ein Tauchgang muss nicht kompliziert geplant werden. Wichtig ist, dass Du systematisch vorgehst und Deinen Plan mit Deinem Buddy abstimmst.
Die folgende Anleitung zeigt Dir, wie Du Deinen Tauchgang planen kannst – von der Vorbereitung zu Hause bis zum Buddy-Check am Wasser.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine Tauchausbildung. Für Dekompressions-, Trimix-, Höhlen- oder Wracktauchgänge mit Penetration gelten zusätzliche Verfahren und Ausbildungsstandards.
1. Ziel und Rahmen des Tauchgangs festlegen
Am Anfang steht die Frage: Was möchtest Du bei diesem Tauchgang erreichen?
Das kann ein entspannter Tauchgang am Hausriff sein. Vielleicht möchtest Du ein Wrack erkunden, die Tarierung trainieren oder einen bestimmten Tiefenbereich erreichen. Das Ziel bestimmt, wie anspruchsvoll Deine Planung ausfallen muss.
Lege gemeinsam mit Deinem Buddy fest:
- Art des Tauchgangs: Sport-, Nacht-, Strömungs-, Tief-, Wrack- oder Ausbildungstauchgang
- Maximaltiefe
- Maximale Tauchzeit
- Geplantes Profil: Abstieg, Strecke, Umkehrpunkt und Aufstieg
- Geplante Nullzeit oder Dekompressionsstrategie
- Sicherheitsstopp, normalerweise etwa 3–5 Minuten auf 3–6 Metern
- Umkehrkriterium: Zeit, Tiefe, Gasvorrat oder ein bestimmter Orientierungspunkt
Dein Plan muss zu Deiner Ausbildung, Deiner Erfahrung und Deiner aktuellen Fitness passen. Wenn Du müde, krank oder unsicher bist, wird der Tauchgang angepasst oder abgesagt. Das ist keine Niederlage, sondern gute Tauchgangsplanung.
2. Limits ehrlich und konkret definieren
Ein häufiger Fehler ist, nur die Maximaltiefe festzulegen. Sichere Limits umfassen aber mehr als die Tiefe.
Besprecht mindestens diese Punkte:
- Tiefenlimit: Wie tief geht Ihr maximal?
- Zeitlimit: Wann beginnt unabhängig vom Gas der Aufstieg?
- Gaslimit: Bei welchem Druck wird umgekehrt?
- Nullzeitlimit: Wie viel Abstand bleibt zur Nullzeitgrenze?
- Bedingungslimit: Bei welcher Strömung oder Sicht wird der Tauchgang abgebrochen?
- Temperaturlimit: Wie lange könnt Ihr in kaltem Wasser komfortabel und sicher tauchen?
Plane nicht bis an die absolute Grenze. Ein Sicherheitsabstand macht den Tauchgang robuster, falls die Sicht schlechter ist, Du Dich stärker anstrengen musst oder die Orientierung länger dauert.
Für technische Tauchgänge kommen weitere Limits dazu:
- Maximale Sauerstoffpartialdrücke
- Gaswechsel und Wechselhöhen
- Dekompressionsgase
- Gradient Factors beziehungsweise andere konservative Einstellungen
- Mindestgas oder „Minimum Gas“
- Verhalten bei Ausfall eines Gases oder einer Flasche
Ganz wichtig: Ein Tauchcomputer ist ein Hilfsmittel. Er ersetzt keine vorherige Planung und keine ausreichende Ausbildung.
3. Tauchcomputer richtig einstellen
Vor dem Einstieg solltest Du Deinen Tauchcomputer nicht nur einschalten, sondern bewusst kontrollieren.
Prüfe:
- Gasgemisch: Luft oder korrekt analysiertes Nitrox
- Sauerstoffanteil: Richtigen Wert eingeben
- Maximaler Sauerstoffpartialdruck: Nach Ausbildung, Herstellerangaben und Tauchplan einstellen
- Höhenmodus: Bei Bergseen oder entsprechendem Aufenthaltsort beachten
- Konservatismus: Sicherheitsfaktoren beziehungsweise Gradient Factors kontrollieren
- Batteriestand
- Einheiten: Meter und Bar oder Feet und PSI
- Uhrzeit und Datum
- Kompasskalibrierung, falls vorhanden
- Senderverbindung, falls Du mit Luftintegration tauchst
Nutze den Planungsmodus Deines Computers, um Nullzeiten und geplante Profile zu überprüfen. Die Bedienung unterscheidet sich je nach Modell. Bei Garmin findest Du beispielsweise zusätzliche Hinweise in der offiziellen Anleitung zur Tauchgangsplanung.

Ein kompakter Computer wie der Mares Puck Lite Tauchcomputer bietet beispielsweise eine übersichtliche Ein-Tasten-Bedienung, Luft- und Nitrox-Modus sowie ein gut ablesbares Display. Für anspruchsvollere Profile findest Du in unserer Auswahl an Tauchcomputern auch Modelle von Garmin, Shearwater, Mares und weiteren Marken.
4. Umgebungsbedingungen am Tauchplatz prüfen
Die Bedingungen vor Ort können Deinen ursprünglichen Plan deutlich verändern. Deshalb gehört eine aktuelle Einschätzung unbedingt zur Tauchgangsplanung.
Prüfe gemeinsam mit Deinem Buddy oder dem Guide:
- Strömungsrichtung und Strömungsstärke
- Sichtweite
- Wassertemperatur
- Thermokline
- Wellen und Brandung
- Ein- und Ausstieg
- Bootsverkehr
- Gezeiten oder Wasserstand
- Untergrund und Orientierungspunkte
- Mögliche Notausstiege
Strömung und Kälte erhöhen häufig den Atemgasverbrauch. Schlechte Sicht erschwert die Kommunikation und Orientierung. Bei kaltem Wasser können außerdem Beweglichkeit, Konzentration und Komfort schneller nachlassen.
Passe Deinen Plan entsprechend an:
- Strecke verkürzen
- Tiefe reduzieren
- Mehr Reserve einplanen
- Buddy-Abstand verringern
- Orientierungspunkte häufiger kontrollieren
- Tauchgang bei ungünstigen Bedingungen abbrechen
Wenn die Bedingungen nicht zu Deinem Erfahrungsstand passen, tauchst Du nicht einfach trotzdem. Du verschiebst den Tauchgang oder wählst einen geschützteren Platz.
5. Gasplanung und Reserve berechnen
Die Gasplanung ist einer der wichtigsten Teile, wenn Du einen Tauchgang planen möchtest. Verlasse Dich nicht nur auf eine pauschale Restdruckregel.
Für eine einfache Berechnung brauchst Du:
- Flaschenvolumen
- Startdruck
- Persönliches Atemminutenvolumen, kurz AMV oder SAC
- Geplante Tiefe
- Geplante Zeit
- Reserve
- Gasbedarf des Buddys im Notfall
Eine vereinfachte Formel lautet:
Gasverbrauch pro Minute = AMV × Umgebungsdruck
Bei 20 Metern Wassertiefe herrschen ungefähr 3 bar Umgebungsdruck. Bei einem AMV von 20 Litern pro Minute ergibt das rund 60 Liter pro Minute.
Ein vereinfachtes Beispiel:
- 12-Liter-Flasche mit 200 bar = etwa 2.400 Liter nomineller Gasvorrat
- Persönliches AMV: 20 Liter pro Minute
- Tiefe: 20 Meter = etwa 3 bar
- Verbrauch in dieser Tiefe: etwa 60 Liter pro Minute
Von diesem Vorrat wird zuerst die Reserve abgezogen. Erst danach planst Du mit dem verbleibenden Gas. Abstieg, Aufstieg, Sicherheitsstopp, Strömung und ein möglicher Notfall müssen berücksichtigt werden.
Im Sporttauchen wird häufig mit einem festgelegten Umkehrdruck gearbeitet, zum Beispiel:
- Auftauchen mit mindestens 50 bar
- Umkehr bei einem vorher vereinbarten Druck
- Größere Reserve bei Kälte, Tiefe, Strömung oder unbekannten Tauchplätzen
Für technische und overhead-artige Tauchgänge gelten strengere Konzepte wie Rule of Thirds oder Minimum Gas. Diese müssen zur Ausrüstung, Teamgröße, Tauchumgebung und Ausbildung passen.
Ein zusätzlicher analoger Druckmesser bleibt sinnvoll. Die passende Mares MR1 SPG Finimeter-Lösung kann dabei als unabhängige Druckanzeige dienen. Bei kompatiblen Systemen ist auch eine Senderlösung wie der Garmin Descent T2 Transceiver Sender interessant.
6. Notfallplan und Kommunikation besprechen
Eine gute Tauchgangsplanung enthält immer einen Plan B. Besprecht die wichtigsten Situationen, bevor Ihr ins Wasser geht.
Klärt:
- Was passiert bei Buddy-Trennung?
- Wie lange sucht Ihr Euch?
- Wer steigt zuerst auf?
- Was passiert bei Out-of-Gas?
- Wo befindet sich der alternative Atemregler?
- Wie wird ein kontrollierter Notaufstieg eingeleitet?
- Was passiert bei Krampf, Panik oder Orientierungsverlust?
- Wie wird eine Signalboje gesetzt?
- Welche Hand- und Lichtsignale verwendet Ihr?
- Wo liegt der nächste Ausstieg?
Bei einem Tauchgang vom Boot gehören außerdem Rückkehrsignal, Ein- und Ausstiegsbereich sowie das Verhalten bei verlorener Leine oder verlorener Sichtkontaktperson dazu.
An Land sollte bekannt sein:
- Lokale Notrufnummer
- Standort des Tauchplatzes
- Zugang für Rettungskräfte
- Erste-Hilfe-Ausrüstung
- Sauerstoff, falls vorhanden
- Nächste Druckkammer beziehungsweise medizinische Anlaufstelle
Für wichtige Notizen unter Wasser eignet sich eine XSSCUBA Folding Wrist Slate. Die klappbare Unterarmtafel bietet drei Schreibflächen und lässt sich mit Klettband oder Bungee befestigen. Du kannst darauf zum Beispiel Tiefe, Umkehrdruck, Handzeichen oder eine einfache Skizze der Route notieren.

7. Buddy-Check am Wasser durchführen
Der Buddy-Check ist der letzte Schritt vor dem Einstieg. Nimm Dir dafür Zeit. Ein hektischer Check ist kein vollständiger Check.
Kontrolliert gemeinsam:
- Flasche befestigt und Ventil geöffnet
- Flaschendruck geprüft
- Hauptatemregler und alternative Luftversorgung getestet
- Inflator und Ablassventile funktionieren
- Jacket oder Wing inflatierbar und entleerbar
- Blei sicher befestigt und Abwurfmechanismus bekannt
- Maske, Flossen und Anzug korrekt vorbereitet
- Tauchcomputer eingeschaltet und richtig eingestellt
- Finimeter beziehungsweise Sender überprüft
- Boje, Spool, Lampe und Schneidwerkzeug erreichbar
- Befestigungspunkte und Schläuche frei von Verhakungen
Danach wiederholt Ihr den eigentlichen Plan:
- Maximaltiefe
- Maximale Zeit
- Umkehrdruck
- Reserve
- Route und Orientierung
- Aufstieg und Sicherheitsstopp
- Verhalten bei Buddy-Trennung
- Notfallkommunikation
Verwendet das Schema, das Du aus Deiner Ausbildung kennst – zum Beispiel BWRAF oder ein anderes standardisiertes Verfahren. Entscheidend ist nicht die Abkürzung, sondern dass beide Taucher denselben Ablauf konsequent durchführen.
Kurze Checkliste zum Tauchgang planen
Vor dem Einstieg solltest Du diese Fragen mit „Ja“ beantworten können:
- Bin ich körperlich und mental fit?
- Passt der Tauchgang zu meiner Ausbildung?
- Sind Tiefe, Zeit und Route festgelegt?
- Ist die Gasplanung inklusive Reserve nachvollziehbar?
- Sind Computer und Gasgemisch korrekt eingestellt?
- Haben wir Strömung, Sicht und Temperatur bewertet?
- Ist der Notfallplan klar?
- Kennen wir Hand- und Lichtsignale?
- Ist der Buddy-Check vollständig durchgeführt?
Wenn ein Punkt unklar bleibt, wird der Plan angepasst. Sicherheit geht immer vor einem bestimmten Tauchziel.
Fazit: Gute Tauchgangsplanung schafft Ruhe
Einen Tauchgang planen bedeutet nicht, jede Sekunde unter Wasser vorherzusagen. Es bedeutet, die wichtigsten Entscheidungen vor dem Einstieg zu treffen: Ziel, Limits, Gas, Bedingungen, Kommunikation und Notfallmaßnahmen.
So bleibt unter Wasser mehr Aufmerksamkeit für das, worum es eigentlich geht: entspanntes, sicheres und bewusstes Tauchen. 🔥
Bei Fragen zur Auswahl eines passenden Tauchcomputers, einer Slate oder anderer Ausrüstung beraten wir Dich natürlich persönlich. Wir sind selbst aktive Taucher und helfen Dir auch am Wochenende per 📱 WhatsApp, ☎️ Telefon oder 📧 E-Mail unter info@tauchwerkstatt.eu beziehungsweise +49 3471 6238518.
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