Ja, klar! Höhentauchen in den Alpen ist etwas Besonderes. Klare Sicht, steile Felswände und faszinierende Süßwasserlandschaften machen Bergseen zu beliebten Zielen für Sport- und technische Taucher.
Gleichzeitig unterscheiden sich Bergseen physikalisch deutlich vom Meer und von Tauchplätzen auf Meereshöhe. Der Luftdruck ist geringer. Dadurch verändern sich Dekompressionsplanung, Nullzeiten und das Verhalten nach dem Tauchgang.
In diesem Beitrag erfährst du, worauf du beim Tauchen in Bergseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz achten solltest.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine Ausbildung zum Höhentauchen, keine Herstellerangaben und keine tauchmedizinische Beratung. Nutze immer die Regeln deines Ausbildungsverbandes sowie die Bedienungsanleitung deines Tauchcomputers.
Was bedeutet Höhentauchen?
Beim Höhentauchen tauchst du in einem Gewässer, das deutlich über dem Meeresspiegel liegt. Je nach Ausbildungsorganisation beginnt Höhentauchen bereits ab etwa 300 Metern über dem Meeresspiegel. Andere Verbände und Tabellen verwenden eine Grenze von ungefähr 700 Metern.
Für die Praxis gilt deshalb:
- Ab 300 Metern solltest du dich mit dem Thema auseinandersetzen.
- Ab etwa 700 Metern sind Bergseetabellen oder ein geeigneter Höhenmodus besonders wichtig.
- Maßgeblich sind immer die Vorgaben deines Verbandes, deines Tauchcomputers und des örtlichen Tauchplatzes.
Der Grund ist der sinkende Atmosphärendruck. Bis ungefähr 4.000 Meter Höhe nimmt der Luftdruck grob um 0,1 bar pro 1.000 Höhenmeter ab. Auf Meereshöhe beträgt der Luftdruck ungefähr 1,0 bar. Auf 1.000 Metern sind es nur noch etwa 0,9 bar.
Warum verändert sich die Dekompression?
Unter Wasser steigt der Umgebungsdruck mit zunehmender Tiefe. In Süßwasser kommen ungefähr 0,1 bar pro Meter hinzu.
Auf Meereshöhe herrscht ein Druck von etwa 1,0 bar bereits an der Wasseroberfläche. In 1.000 Metern Höhe erreichst du diesen Druck erst in ungefähr einem Meter Wassertiefe.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied. Für die Dekompression ist er aber relevant.
Beim Auftauchen bewegst du dich im Bergsee von einem höheren Druck unter Wasser zu einem niedrigeren Druck an der Oberfläche. Der Druckabfall ist größer als bei einem vergleichbaren Tauchgang auf Meereshöhe.
Das kann folgende Konsequenzen haben:
- Kürzere Nullzeiten
- Längere Dekompressionszeiten
- Höhere Bedeutung von Sicherheitsstopps
- Größere Belastung durch schnelle Höhenänderungen
- Erhöhtes Risiko für eine Dekompressionskrankheit
Auch die Anfahrt kann eine Rolle spielen. Wenn du beispielsweise von einem tiefer gelegenen Ort schnell zu einem hoch gelegenen See fährst, beginnt dein Körper den Tauchgang bereits unter einem reduzierten Umgebungsdruck. Die Anfahrt kann dadurch dekompressionstechnisch ähnlich wirken wie eine zusätzliche Vorsättigung.
Die GTÜM erklärt die physikalischen Besonderheiten des Bergseetauchens ausführlich.
Tauchcomputer beim Höhentauchen richtig einstellen
Ein Tauchcomputer muss wissen, unter welchem Oberflächendruck du tauchst. Viele moderne Geräte erkennen die Höhe automatisch über den Luftdrucksensor. Bei anderen Modellen musst du den Höhenbereich manuell einstellen.
Prüfe deshalb vor dem ersten Tauchgang:
- Hat der Computer die aktuelle Höhe korrekt erkannt?
- Gibt es einen manuellen Höhenmodus?
- Wie viele Höhenbereiche bietet das Gerät?
- Wie lange soll das Gerät nach der Ankunft akklimatisieren?
- Welche Einstellungen empfiehlt der Hersteller?
- Verwendest du dieselben Dekompressionsparameter wie dein Tauchpartner?
Ein Tauchcomputer, der für Meereshöhe eingestellt ist, kann in einem Bergsee zu großzügige Nullzeiten und zu kurze Dekompressionszeiten anzeigen. Das solltest du unbedingt vermeiden.
Wichtig ist außerdem: Nicht jeder Tauchcomputer verwendet dieselben Modelle und Einstellungen. Manche Geräte arbeiten mit speziellen Höhenstufen. Andere integrieren den reduzierten Oberflächendruck automatisch in ihre Berechnung.
Ein Beispiel aus unserem Sortiment ist der Mares Quad CI Tauchcomputer. Er bietet unter anderem einen Bühlmann-ZH-L16C-Algorithmus, anpassbare Gradient Factors und umfangreiche Tauchmodi. Ob ein bestimmtes Modell für deinen geplanten Bergsee und deine Ausbildungsstufe geeignet ist, solltest du immer anhand der aktuellen Herstellerangaben prüfen.

Tabellen oder Computer?
Frühere Umrechnungsformeln für Meereshöhe und Bergsee werden heute nicht mehr allgemein empfohlen. Der Grund: Bei der Berechnung können leicht Fehler entstehen. Außerdem berücksichtigen einfache Formeln nicht alle Faktoren – beispielsweise die Anfahrtshöhe, Wiederholungstauchgänge oder individuelle Dekompressionsmodelle.
Nutze daher:
- Einen für Höhentauchen geeigneten Tauchcomputer
- Oder ausdrücklich vorgesehene Bergseetabellen
- Eine einheitliche Planung für das gesamte Buddyteam
- Die konservativere Planung, falls sich Vorgaben unterscheiden
Akklimatisierung: Wie lange solltest du warten?
Für die Akklimatisierung gibt es keine allgemeingültige Zeit, die für jeden Taucher und jeden Bergsee passt. Entscheidend sind unter anderem:
- Die erreichte Höhe
- Deine Anreisegeschwindigkeit
- Vorangegangene Tauchgänge
- Deine körperliche Verfassung
- Temperatur und Wetter
- Geplante Tauchtiefe und Tauchdauer
Nach einer schnellen Fahrt in die Berge solltest du nicht direkt den anspruchsvollsten Tauchgang des Tages planen. Gib deinem Körper und deinem Tauchcomputer ausreichend Zeit, sich an den neuen Umgebungsdruck anzupassen. Die konkrete Wartezeit richtet sich nach deiner Ausbildung, den Empfehlungen des Verbandes und den Angaben des Geräteherstellers.
Für den ersten Tauchgang ist eine konservative Planung sinnvoll:
- Flacher und kürzer tauchen
- Innerhalb der Nullzeit bleiben
- Keine unnötigen Auf- und Abstiege
- Sicherheitsstopp sauber durchführen
- Ausreichend Oberflächenpause einplanen
Vermeide nach dem Tauchgang zusätzliche Höhengewinne, wenn sie nicht notwendig sind. Eine Passstraße, eine Seilbahnfahrt oder der weitere Aufstieg zu einer Unterkunft reduziert den Umgebungsdruck erneut.
Typische Bergseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Walchensee in Bayern
Der Walchensee liegt auf ungefähr 802 Metern und gehört zu den bekanntesten Tauchseen Deutschlands. Der See ist bis zu rund 190 Meter tief. Steilwände, kaltes Wasser und anspruchsvolle Tiefenprofile machen ihn besonders interessant für erfahrene Taucher.
Einige Tauchplätze sind nur für entsprechend ausgebildete Sport- oder technische Taucher geeignet. Informiere dich vorab über aktuelle Regelungen, Einstiege und mögliche Einschränkungen.
Plansee in Tirol
Der Plansee liegt auf ungefähr 976 Metern und bietet klares, kaltes Wasser sowie attraktive Unterwasserlandschaften. Je nach Bereich sind Tauchgänge für unterschiedliche Erfahrungsstufen möglich.
Neben Fischbeobachtungen sind auch historische Unterwasserziele bekannt. Im Winter kann der Plansee sogar zum Thema Eistauchen werden – das setzt allerdings eine spezielle Ausbildung, passende Ausrüstung und eine sehr sorgfältige Planung voraus.
Attersee in Österreich
Der Attersee liegt auf etwa 469 Metern. Er ist kein hoch gelegener Extrem-Bergsee, fällt aber in den Bereich, in dem du das Thema Höhentauchen bereits berücksichtigen solltest.
Mit zahlreichen Tauchplätzen ist der Attersee für viele Erfahrungsstufen interessant. Bekannte Plätze wie die Liebesinsel oder die Schwarze Madonna werden von Sporttauchern ebenso besucht wie von ambitionierten Tauchern.
Weitere Ziele
Weitere beliebte Seen im Alpenraum sind unter anderem:
- Achensee in Tirol
- Erlaufsee in Österreich
- Weissensee in Kärnten
- Blindsee in Tirol
- Thunersee und Vierwaldstättersee in der Schweiz
- Marmorerasee in Graubünden
Die genaue Höhenlage, örtliche Erlaubnis und Tauchplatzregelung solltest du vor jeder Reise aktuell prüfen. Eine gute Übersicht zu weiteren Zielen findest du beispielsweise in diesem Beitrag über Bergseen für Taucher.
Die richtige Ausrüstung für kalte Bergseen
Bergseen sind häufig deutlich kälter als tropische oder viele heimische Flachgewässer. Auch im Sommer kann die Wassertemperatur bereits in wenigen Metern Tiefe stark abfallen.
Trockentauchanzug und Unterzieher
Ein Trockentauchanzug bietet dir besseren Kälteschutz und verlängert die komfortable Tauchzeit. Besonders beim wiederholten Tauchen oder bei längeren Abstiegen ist ein passender Unterzieher wichtig.
Der Santi Edge Trockentauchanzug besteht aus widerstandsfähigem Trilaminat und besitzt Kevlar-Verstärkungen an besonders beanspruchten Stellen. Das macht ihn interessant für anspruchsvolle Bergsee-, Wrack- und technische Tauchgänge.

Achte außerdem auf:
- Ausreichenden Unterzieher passend zur Wassertemperatur
- Trockene und funktionierende Manschetten
- Handschutz und passende Kopfhaube
- Korrekte Bleimenge mit deinem gesamten System
- Saubere Tarierung im Trockentauchanzug
Kaltwasser-Atemregler
Kälte, hoher Atemgasverbrauch und mögliche Belastung durch lange Tauchgänge stellen besondere Anforderungen an den Atemregler. Nutze einen Atemregler, der vom Hersteller ausdrücklich für die geplante Wassertemperatur freigegeben ist.
Der Atomic Aquatics B2x Premium-Kaltwasserregler verfügt unter anderem über eine DLC-beschichtete erste Stufe, eine zweite Stufe aus Titan und eine Automatic Flow Control. Je nach Einsatz solltest du auch eine geeignete Konfiguration mit redundanter Atemgasversorgung und optimaler Schlauchführung planen.

Sicherheitstipps für das Höhentauchen
Plane den Tauchgang nicht nur anhand der maximalen Tiefe. Berücksichtige auch:
- Seehöhe und Anfahrt
- Wassertemperatur und mögliche Sprungschichten
- Sichtweite und Orientierung
- Ein- und Ausstieg
- Wetterumschwünge
- Strömung oder Bootsverkehr
- Fehlende Infrastruktur am Tauchplatz
- Entfernung zur medizinischen Versorgung
- Notfallplan und Kommunikation
Tauche im Buddyteam und bleibe bei deinem geplanten Profil. Gerade bei schlechter Sicht oder kaltem Wasser solltest du unnötige Belastung vermeiden. Ein gut sichtbarer Surface Marker Buoy mit Reel kann je nach Tauchplatz und Ausbildungsstandard sinnvoll sein. Auch ein robuster Kompass gehört in unbekannten Gewässern zur Grundausstattung.
Bei Anzeichen eines Tauchunfalls – zum Beispiel ungewöhnlicher Müdigkeit, Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Schwindel, Koordinationsproblemen oder Atembeschwerden – gilt: Tauchunfall ernst nehmen, Notruf absetzen und das Kennwort „Tauchunfall“ nennen. In Deutschland und Österreich erreichst du den Notruf unter 112. In Österreich ist zusätzlich die 144 relevant.
Sauerstoffversorgung und weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten nur mit geeigneter Ausrüstung und entsprechender Einweisung erfolgen. Eine nasse Rekompression ist keine sichere Eigenmaßnahme.
Fazit: Höhentauchen braucht Vorbereitung
Höhentauchen ist faszinierend, aber kein gewöhnlicher Tauchgang im See. Der reduzierte Umgebungsdruck beeinflusst die Dekompression. Zusätzlich können Anfahrt, Kälte, Anstrengung und fehlende Infrastruktur das Risiko erhöhen.
Wenn du die folgenden Punkte beachtest, bist du gut vorbereitet:
- Höhenlage und örtliche Regeln prüfen
- Computer korrekt auf die Höhe einstellen
- Akklimatisierung und Anfahrt berücksichtigen
- Konservativ planen und Sicherheitsstopps einhalten
- Kaltwassertaugliche Ausrüstung verwenden
- Tauchplatz, Wetter und Notfallversorgung checken
- Keine zusätzlichen Höhengewinne direkt nach dem Tauchgang
Wir sind selbst aktive Taucher und beraten dich natürlich gerne bei der Auswahl von Trockentauchanzug, Atemregler, Tauchcomputer und Zubehör. Du erreichst uns auch am Wochenende per 📱 WhatsApp, ☎️ Telefon oder 📧 E-Mail.
Bei uns bekommst du außerdem kostenlosen Versand, 14 Tage Rückgaberecht und persönliche Beratung von Tauchern für Taucher.
Schreib uns einfach, wenn du deinen nächsten Bergsee-Tauchgang planst!
























