Perfekter Trimm: Frog Kick, Back Kick & die richtige Wasserlage

Guter Trimm ist der Unterschied zwischen Kämpfen und Gleiten: Wer horizontal im Wasser liegt, verbraucht weniger Luft, wirbelt kein Sediment auf und hat in jeder Situation mehr Kontrolle. In diesem Beitrag erfährst du, wie du deine Wasserlage systematisch verbesserst – und wie Frog Kick, Back Kick und Helicopter Turn funktionieren.

Was ist Trimm – und was unterscheidet ihn von der Tarierung?

Die Tarierung beantwortet die Frage: Schwebst du, sinkst du oder steigst du? Der Trimm beantwortet die Frage: Wie liegst du dabei im Wasser? Das Ziel für die meisten Situationen ist eine horizontale Lage – Körperachse parallel zum Grund, Knie angewinkelt, Flossenblätter etwa auf Körperhöhe oder leicht darüber, Arme entspannt vor dem Körper. Beides greift ineinander: Ohne saubere Tarierung kannst du keinen stabilen Trimm halten, und ohne Trimm zerstörst du dir die Tarierung, weil jeder Flossenschlag eine Auf- oder Abwärtskomponente bekommt. Die Grundlagen der Tarierung findest du ausführlich in unserem Beitrag Tarierung beim Tauchen.

Warum guter Trimm so viel bringt

  • Weniger Luftverbrauch: Ein horizontaler Taucher bietet dem Wasser in Schwimmrichtung die kleinste Angriffsfläche. Wer schräg mit den Füßen nach unten hängt, schiebt sich wie ein Bremsschild durchs Wasser und tritt bei jedem Flossenschlag teilweise nach unten statt nach hinten.
  • Klare Sicht: In deutschen Seen liegt oft feiner Schlamm auf dem Grund. Hängende Flossen und Abwärtsstrahl wirbeln ihn auf – für dich, deinen Buddy und alle Teams nach dir. Guter Trimm hält das Sediment dort, wo es hingehört.
  • Mehr Sicherheit: Wer stabil liegt, kann in Problemsituationen sofort reagieren, hält Tiefe präziser – wichtig bei Sicherheits- und Dekostopps – und bleibt auch in engen oder empfindlichen Umgebungen kontrolliert.
  • Schutz der Umwelt: Ob Pflanzenbewuchs im See oder empfindliche Strukturen am Riff: Horizontale Lage plus passende Flossentechnik bedeutet, dass du nichts berührst und nichts beschädigst.

Bleiverteilung und Konfiguration: Trimm beginnt vor dem Abtauchen

Trimm ist zuerst eine Frage der Gewichtsverteilung. Liegt dein gesamtes Blei am Bauchgurt, zieht es deine Hüfte nach unten; eine schwere Stahlflasche mit vollem Ventilbereich zieht den Oberkörper. Die Stellschrauben:

  • Gesamtbleimenge prüfen: Überbleiung ist der häufigste Trimm-Killer, denn jedes überflüssige Kilo braucht mehr Luft im Wing oder Jacket – und diese Blase wandert und kippt dich. Wie du deine Bleimenge sauber bestimmst, liest du im Beitrag Bleigürtel und Bleimengen richtig meistern.
  • Blei verteilen: Trimmbleitaschen am Flaschengurt oder an den Schultergurten verlagern Gewicht nach oben, Bleitaschen an der Hüfte nach unten. Kleine Verschiebungen von einem halben bis einem Kilo haben spürbare Wirkung.
  • Backplate und Wing: Eine Backplate aus Stahl bringt zwei bis drei Kilo genau dorthin, wo viele Taucher Gewicht brauchen: mittig auf den Rücken. Zusammen mit einem Wing, dessen Auftrieb symmetrisch entlang der Flasche liegt, ist das die trimmfreundlichste Konfiguration – nicht umsonst der Standard im technischen Tauchen.
  • Flossen und Füßlinge: Schwere Gummiflossen helfen Trockentauchern mit Luft in den Füßen, leichte Flossen passen zu Tauchern, deren Beine ohnehin absinken. Beim Kauf lohnt der Blick auf das Blattgewicht – berate dich gern zu unseren Flossen.

Die wichtigsten Flossenschläge für kontrolliertes Tauchen

Frog Kick – der Standard

Beim Frog Kick sind die Oberschenkel ruhig und etwa in Körperlinie, die Knie angewinkelt, die Flossenblätter zeigen nach oben-außen. Aus dieser Position drehst du die Fußgelenke an, führst die Blätter in einer breiten, flachen Bewegung nach außen-hinten zusammen – ähnlich dem Beinschlag beim Brustschwimmen – und lässt eine Gleitphase folgen. Der Schub geht nach hinten, nicht nach unten: Deshalb ist der Frog Kick die sedimentschonendste Fortbewegung über schlammigem Grund und der Standard-Kick für Seen, Wracks und enge Bereiche.

Modifizierter Flutter Kick

Der klassische Wechselschlag aus der Hüfte hat über Sediment nichts verloren. Die modifizierte Variante behält die angewinkelten Knie des Frog Kicks bei: Nur Unterschenkel und Fußgelenke arbeiten in kleinen, schnellen Wechselbewegungen. Das ergibt feinen, dosierbaren Vortrieb – gut für enge Passagen oder wenn du gegen leichte Strömung Tempo halten willst, ohne den Grund zu treffen.

Back Kick – rückwärts schwimmen

Der Back Kick ist im Prinzip der umgekehrte Frog Kick: Aus der angewinkelten Grundposition führst du die Flossenblätter flach nach außen-vorn und „schöpfst“ das Wasser dann mit angestellten Blättern nach vorne weg – du bewegst dich rückwärts. Das ist der anspruchsvollste der vier Kicks, aber Gold wert: Du kannst Abstand von deinem Buddy, vom Grund oder von einer Wand aufbauen, ohne dich zu drehen oder mit den Händen zu paddeln. Fotografen und Instructor-Kandidaten kommen um ihn nicht herum.

Helicopter Turn – auf der Stelle drehen

Beim Helicopter Turn drehst du dich um die eigene Hochachse, ohne Vortrieb und ohne die Position zu verlassen: Ein Bein arbeitet mit einer kleinen Vorwärtskomponente, das andere gegenläufig mit einer Rückwärtsbewegung aus dem Fußgelenk. So drehst du dich in engen Bereichen – etwa zwischen Steilwand und Buddy – kontrolliert auf der Stelle.

So übst du gezielt

Trimm entsteht nicht nebenbei, sondern durch bewusstes Training. Bewährt haben sich drei Ansätze: Erstens feste Referenzen – ein Platz in Grundnähe mit klarer Sichtlinie, an dem du Schweben, Kicks und Drehungen übst, ohne den Boden zu berühren. Zweitens Videofeedback: Lass dich von deinem Buddy filmen. Die eigene Wasserlage von außen zu sehen ist oft ernüchternd und der schnellste Weg zur Korrektur, denn gefühlter und echter Trimm weichen fast immer voneinander ab. Drittens strukturierte Ausbildung: Im SSI-Specialty Perfect Buoyancy arbeitest du unter Anleitung an Bleimenge, Bleiverteilung, Atmung und Wasserlage. Alle Details zum Kurs findest du auf unserer Seite Perfekte Tarierung.

Häufige Fragen

Warum hängen meine Beine beim Tauchen immer nach unten?

Meist ist es eine Kombination aus zu viel Blei zu tief am Körper und Luftpolstern im Oberkörperbereich des Anzugs. Verlagere schrittweise Blei nach oben (Trimmbleitaschen, Stahlflasche, Backplate), reduziere die Gesamtbleimenge auf das nötige Minimum und prüfe deine Körperspannung: Angewinkelte Knie und ein leicht ins Hohlkreuz gestreckter Körper bringen die Flossen nach oben.

Ist der Frog Kick schwer zu lernen?

Nein – die meisten Taucher können ihn nach einer kurzen Einweisung grob ausführen. Die Feinheiten (Gleitphase nutzen, Schub sauber nach hinten richten, symmetrisch bleiben) entwickeln sich über einige Tauchgänge. Videofeedback beschleunigt den Lernprozess enorm.

Brauche ich für guten Trimm zwingend Backplate und Wing?

Nein, auch mit einem gut sitzenden Jacket ist ordentlicher Trimm möglich, wenn Bleimenge und -verteilung stimmen. Backplate und Wing machen es aber leichter, weil Gewicht und Auftrieb symmetrisch am Rücken liegen und die Konfiguration modular an dich angepasst werden kann.

Du willst deine Wasserlage auf das nächste Level bringen? In der Tauchwerkstatt trimmen wir dich im wörtlichen Sinne: persönliche Beratung zu Backplate, Wing und Flossen im Shop – und praktisches Training mit Videofeedback bei unseren Kursen an der Goitzsche. Starte auf unserer Seite Perfekte Tarierung.

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