Dekompressionskrankheit verstehen: Ursachen, Symptome, Vorbeugung

Die Dekompressionskrankheit ist das Risiko, das jeder Taucher kennen sollte – nicht, um Angst vor dem Tauchen zu haben, sondern um es souverän zu managen. Wenn du verstehst, was dabei im Körper passiert, werden aus abstrakten Regeln nachvollziehbare Werkzeuge. Hier bekommst du das Wissen kompakt, sachlich und ohne Panikmache.

Was bei der Dekompressionskrankheit im Körper passiert

Die Physik dahinter beschreibt das Henry-Gesetz: Je höher der Umgebungsdruck, desto mehr Gas löst sich in einer Flüssigkeit. Unter Wasser atmest du Luft unter erhöhtem Druck, und dein Körper nimmt dabei zusätzlichen Stickstoff auf – er sättigt sich auf. Das ist zunächst völlig harmlos. Solange du langsam auftauchst, gibt dein Gewebe den Stickstoff kontrolliert über die Lunge wieder ab.

Kritisch wird es, wenn der Umgebungsdruck schneller sinkt, als dein Körper den gelösten Stickstoff abatmen kann. Dann kann das Gas im Gewebe und im Blut Blasen bilden – ähnlich wie in einer Sprudelflasche, die du zu schnell öffnest. Diese Blasen können Gewebe mechanisch reizen, Gefäße blockieren und Entzündungsreaktionen auslösen. Genau das ist die Dekompressionskrankheit, kurz DCS (Decompression Sickness).

DCS ist nicht gleich Lungenüberdruck-Unfall

Wichtig für die Einordnung: Neben der DCS gibt es die arterielle Gasembolie (AGE), die meist durch ein Lungenüberdruck-Barotrauma entsteht – etwa wenn ein Taucher beim Aufstieg die Luft anhält und sich die überdehnte Lunge verletzt. Dabei gelangen Gasblasen direkt in den arteriellen Kreislauf und können unter anderem das Gehirn betreffen. Nach Angaben des Divers Alert Network (DAN) ist die AGE die ernstere Form der Dekompressionserkrankung. Beide werden unter dem Oberbegriff DCI (Decompression Illness) zusammengefasst, und die Erste Hilfe ist bei beiden identisch. Die beste Vorbeugung gegen das Lungenbarotrauma kennst du aus der Ausbildung: niemals die Luft anhalten, immer weiteratmen.

Symptome: Was du ernst nehmen solltest

Die Dekompressionskrankheit zeigt sich sehr unterschiedlich. Zu den häufigen Anzeichen gehören laut DAN:

  • Schmerzen in Gelenken oder Muskeln, oft dumpf und schwer lokalisierbar
  • Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche
  • Hautsymptome wie Juckreiz oder fleckige, marmorierte Rötungen
  • Ungewöhnlich starke Müdigkeit nach dem Tauchgang
  • Schwindel, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Lähmungserscheinungen als neurologische Zeichen

Zum zeitlichen Verlauf gibt DAN an: Symptome treten üblicherweise innerhalb von 15 Minuten bis 12 Stunden nach dem Auftauchen auf. Ein späterer Beginn ist selten, aber möglich – insbesondere nach einer Flugreise im Anschluss ans Tauchen. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Ungewöhnliche Beschwerden nach dem Tauchgang nie wegdiskutieren. Ein häufiger Fehler ist, Symptome als Muskelkater oder Erschöpfung abzutun und wertvolle Zeit zu verlieren.

Risikofaktoren kennen

Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer DCS, auch wenn der Tauchcomputer keine Grenzwerte gemeldet hat. Dazu zählen nach DAN unter anderem:

  • Schnelle Aufstiege und verpasste Stopps
  • Tiefe, lange Tauchgänge und dichte Wiederholungstauchgänge über mehrere Tage
  • Dehydration – gerade im warmen Urlaubsklima schnell unterschätzt
  • Kälte und schwere Anstrengung während des Tauchgangs
  • Individuelle Faktoren wie Übergewicht oder Vorerkrankungen

Kurz erwähnt sei auch das persistierende Foramen ovale (PFO), eine bei vielen Menschen vorhandene kleine Verbindung zwischen den Herzvorhöfen, die venöse Blasen in den arteriellen Kreislauf gelangen lassen kann. Ob und wie das für dich relevant ist, klärst du am besten im Rahmen der tauchmedizinischen Untersuchung mit einem Taucherarzt – nicht per Selbstdiagnose.

Vorbeugung: So senkst du dein Risiko wirksam

Die gute Nachricht: Du hast die wichtigsten Stellschrauben selbst in der Hand.

  • Langsam aufsteigen: US Navy und NOAA verwenden eine Aufstiegsgeschwindigkeit von rund 9 Metern pro Minute, die Empfehlungen der Ausbildungsorganisationen liegen laut DAN zwischen etwa 9 und 18 Metern pro Minute. In der Praxis gilt: eher langsamer, immer kontrolliert – besonders auf den letzten Metern, wo sich der Druck am stärksten ändert.
  • Sicherheitsstopp einplanen: Der in der Ausbildung übliche Stopp von drei Minuten auf etwa fünf Metern verlangsamt deinen Aufstieg genau dort, wo es zählt.
  • Konservativ tauchen: Moderne Tauchcomputer lassen sich konservativer einstellen – ein sinnvoller Puffer bei Kälte, Anstrengung oder mehreren Tauchtagen.
  • Genug trinken: Eine gute Hydration unterstützt die Durchblutung und damit die Entsättigung.
  • Nitrox richtig einsetzen: Wer mit Nitrox taucht, den Tauchgang aber wie einen Lufttauchgang plant beziehungsweise den Computer auf Luft stehen lässt, nimmt weniger Stickstoff auf als kalkuliert – ein zusätzlicher Sicherheitspuffer. Wichtig: Nitrox erfordert eine eigene Ausbildung, unter anderem wegen der Sauerstoff-Tiefengrenzen. Mehr dazu liest du im Beitrag Tauchen mit Nitrox leicht gemacht.

Wenn dich die Theorie dahinter tiefer interessiert – Gewebemodelle, Sättigung, Deko-Strategien –, ist das Decompression-Diving-Programm der richtige nächste Schritt.

Erste Hilfe: Was im Ernstfall zählt

Besteht nach einem Tauchgang der Verdacht auf eine Dekompressionserkrankung, gilt nach DAN:

  • 100 % Sauerstoff so früh wie möglich verabreichen – das ist die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme
  • Betroffene hinlegen, beruhigen und trinken lassen, wenn sie ansprechbar sind und schlucken können
  • Umgehend den DAN-Notruf beziehungsweise den örtlichen Notruf kontaktieren und tauchmedizinischen Rat einholen
  • Die definitive Behandlung ist die Rekompression in einer Druckkammer – je früher, desto besser die Aussichten

Warte bei Symptomen nicht ab, ob es von selbst besser wird. Eine ärztliche Abklärung ist auch dann sinnvoll, wenn die Beschwerden mild erscheinen.

Häufige Fragen

Kann ich eine Dekompressionskrankheit bekommen, obwohl ich alle Grenzwerte eingehalten habe?

Ja, das ist möglich, wenn auch selten. Dekompressionsmodelle beschreiben Wahrscheinlichkeiten, keine Garantien. Faktoren wie Dehydration, Kälte, Anstrengung oder die Tagesform beeinflussen dein individuelles Risiko. Genau deshalb lohnen sich konservative Computereinstellungen und großzügige Sicherheitsreserven.

Wie schnell treten die Symptome einer DCS auf?

Nach Angaben von DAN zeigen sich Symptome üblicherweise innerhalb von 15 Minuten bis 12 Stunden nach dem Auftauchen. Ein späterer Beginn ist selten, kommt aber vor – etwa im Zusammenhang mit Flugreisen nach dem Tauchen. Beobachte dich nach dem Tauchen daher aufmerksam.

Hilft Nitrox gegen die Dekompressionskrankheit?

Nitrox enthält weniger Stickstoff als Luft. Einen Sicherheitspuffer gewinnst du aber nur, wenn du trotz Nitrox nach Luftwerten planst beziehungsweise deinen Computer entsprechend konservativ nutzt. Wer stattdessen die längeren Nullzeiten voll ausreizt, hat kein geringeres Risiko. Voraussetzung ist immer ein Nitrox-Brevet.

Sicherheit kann man trainieren: Im SSI Diver Stress & Rescue Kurs an unserer Tauchbasis an der Goitzsche übst du unter realen Bedingungen, Probleme früh zu erkennen und im Notfall richtig zu handeln. Das Team der Tauchwerkstatt berät dich außerdem gern zu konservativ einstellbaren Tauchcomputern und Sauerstoff-Systemen für deine Gruppe.

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