Absolut! Ein Tauchunfall ist selten. Wenn er passiert, zählt aber jede Minute. Als Buddy oder Tauchgruppenleiter solltest du deshalb wissen, welche Warnsignale ernst sind und welche Maßnahmen sofort notwendig werden.
Dieser Beitrag ist kein medizinischer Rat, sondern ein praktischer Handlungsleitfaden. Bei einem akuten Notfall gilt immer: Eigenschutz beachten, 112 rufen und den Anweisungen der Rettungsleitstelle folgen.
Was zählt zu den häufigsten Tauchunfällen?
Ein Tauchunfall kann verschiedene Ursachen haben. Häufige Notfälle sind:
- Dekompressionskrankheit (DCS)
- Lungenbarotrauma oder arterielle Gasembolie
- Ertrinken oder Beinahe-Ertrinken
- Ohrenbarotrauma
- Probleme durch Panik, Atemgasmangel, starke Kälte oder Ausrüstungsfehler
Nicht jedes Symptom tritt sofort auf. Beschwerden können auch Minuten oder mehrere Stunden nach dem Tauchgang beginnen.
Dekompressionskrankheit: Diese Warnsignale sind wichtig
Bei der Dekompressionskrankheit bilden sich durch Druckveränderungen Gasblasen im Körper. Das Risiko steigt unter anderem bei zu schnellen Aufstiegen, ausgelassenen Dekompressionsstopps, Wiederholungstauchgängen oder ungünstigen individuellen Faktoren.
Typische Warnsignale sind:
- ungewöhnliche Müdigkeit oder starke Erschöpfung
- Schmerzen in Gelenken oder Muskeln
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Sensibilitätsstörungen
- Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Verwirrtheit
- Lähmungserscheinungen
- Hautveränderungen oder juckender Ausschlag
- Atemnot oder Brustschmerzen
- Probleme beim Sprechen, Sehen oder Bewegen
Wichtig: Auch leichte oder unspezifische Beschwerden solltest du nach einem Tauchgang ernst nehmen. Warte nicht einfach ab, ob sie von selbst verschwinden.
Lungenbarotrauma und arterielle Gasembolie
Ein Lungenbarotrauma kann entstehen, wenn sich eingeschlossene Luft beim Aufstieg ausdehnt. Besonders kritisch ist eine mögliche arterielle Gasembolie.
Mögliche Anzeichen:
- plötzliche Atemnot
- starke Brustschmerzen
- Husten, eventuell mit blutigem Auswurf
- Bewusstseinsstörungen
- Krampfanfälle
- Lähmungen oder andere neurologische Ausfälle
- Beschwerden direkt beim Auftauchen oder kurz danach
Das ist ein zeitkritischer Notfall. Bei diesen Symptomen sofort den Notruf wählen und 100 % Sauerstoff geben, sofern entsprechendes Equipment vorhanden ist und du darin geschult bist.

Ertrinken und Beinahe-Ertrinken
Bei einem Ertrinkungsunfall steht zunächst die Atmung im Mittelpunkt. Bringe den Betroffenen nur aus dem Wasser, wenn du dich dabei nicht selbst gefährdest.
Prüfe anschließend:
- Ist die Person ansprechbar?
- Atmet sie normal?
- Gibt es Anzeichen für einen Kreislaufstillstand?
Bei fehlender normaler Atmung gilt:
- 112 rufen lassen
- sofort mit der Wiederbelebung beginnen
- Herzdruckmassage und Beatmung nach deiner Ausbildung durchführen
- einen AED einsetzen, falls verfügbar
- Sauerstoff verwenden, wenn du dafür ausgebildet bist und das Gerät sicher bedienen kannst
Auch wenn sich der Taucher scheinbar schnell erholt, muss er medizinisch untersucht werden. Nach einem Beinahe-Ertrinken können später noch ernsthafte Atemprobleme auftreten.
Ohrenbarotrauma: Wann ist es gefährlich?
Ein Ohrenbarotrauma entsteht meistens durch Probleme beim Druckausgleich. Typische Beschwerden sind:
- Ohrenschmerzen beim Ab- oder Auftauchen
- Druckgefühl oder Hörminderung
- Ohrgeräusche
- Schwindel und Übelkeit
- Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr
Brich den Tauchgang ab und erzwinge keinen weiteren Druckausgleich. Bei starkem Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder plötzlicher Hörminderung sollte der Betroffene flach und sicher gelagert und ärztlich untersucht werden.
Ein Verdacht auf ein Innenohrbarotrauma sollte zeitnah durch einen tauchmedizinisch erfahrenen Arzt oder HNO-Arzt abgeklärt werden. Bis zur Untersuchung gilt: nicht weiter tauchen.
Tauchunfall: Was ist an Bord oder an Land zu tun?
1. Eigenschutz und Unfallstelle sichern
Sorge zuerst dafür, dass du selbst nicht gefährdet wirst. Achte auf:
- Strömung und Wellengang
- Bootsverkehr
- scharfe Kanten oder Leinen
- instabile Leitern und rutschige Flächen
- weitere Taucher im Wasser
Bringe den Betroffenen aus dem Wasser, entferne die Ausrüstung und sichere den Bereich.
2. Bewusstsein und Atmung prüfen
Sprich die Person an und überprüfe die normale Atmung. Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung bringst du sie in die stabile Seitenlage.
Bei einem wachen Betroffenen ist in der Regel eine flache Rückenlage sinnvoll. Eine Kopf-tief-Lagerung solltest du nicht anwenden.
Bei Atem- oder Kreislaufstillstand beginnst du sofort mit den dir bekannten Maßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
3. Sofort 100 % Sauerstoff geben
Bei Verdacht auf Dekompressionskrankheit, Gasembolie, schweres Barotrauma oder ausgeprägte Atemprobleme gilt:
- so früh wie möglich 100 % Sauerstoff geben
- eine geeignete dicht sitzende Maske oder ein Demand-Ventil verwenden
- Sauerstoffgabe möglichst kontinuierlich fortsetzen
- die Anwendung nach Geräteeinweisung und eigener Ausbildung durchführen
Sauerstoff ist eine wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme. Er ersetzt aber nicht die Untersuchung durch den Rettungsdienst oder eine mögliche Druckkammerbehandlung.
4. Sofort den Notruf wählen
Rufe bei einem ernsthaften Verdacht 112. Sage ausdrücklich:
„Es handelt sich um einen Tauchunfall.“
Nenne außerdem:
- Ort und Zugang zur Unfallstelle
- Anzahl der betroffenen Personen
- Symptome und Zeitpunkt des Beginns
- letzte Tauchtiefe und Tauchdauer
- verwendetes Atemgas
- ob Sauerstoff gegeben wird
- Bewusstseins- und Atemzustand
Zusätzlich kann der Buddy oder ein Gruppenmitglied die DAN-Notfallhotline beziehungsweise eine regionale tauchmedizinische Beratungsstelle kontaktieren. Der Notruf darf dadurch aber nicht verzögert werden.
5. Wärme, Ruhe und Flüssigkeit
Schütze den Betroffenen vor Auskühlung. Eine Rettungsdecke oder trockene Kleidung kann helfen. Beruhige ihn und verhindere unnötige körperliche Anstrengung.
Ist die Person wach, orientiert und nicht übel, kann sie kleine Mengen eines stillen, alkoholfreien Getränks trinken. Bewusstlosen oder benommenen Personen niemals etwas zu trinken geben.
6. Tauchcomputer-Daten sichern
Die Informationen aus dem Tauchcomputer können für die weitere medizinische Beurteilung wichtig sein. Sichere daher:
- Tauchprofil und maximale Tiefe
- Tauchzeit und Aufstieg
- Dekompressions- oder Sicherheitsstopps
- Oberflächenpause
- Atemgas oder Nitrox-Mischung
- Zeitpunkt der ersten Symptome
- Beginn und Dauer der Sauerstoffgabe
Fotografiere das Display oder notiere die Werte. Verändere das Tauchprofil nicht unnötig und nimm den Computer mit zur medizinischen Versorgung.

Wann muss sofort der Notarzt gerufen werden?
Rufe sofort 112, wenn nach einem Tauchgang eines der folgenden Zeichen auftritt:
- Atemnot oder starke Brustschmerzen
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- Krampfanfälle
- Lähmungen oder deutliche Kraftverluste
- Sprach-, Seh- oder Koordinationsstörungen
- starke Schwindelgefühle
- ungewöhnliche Müdigkeit zusammen mit weiteren Beschwerden
- Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr
- Verdacht auf Ertrinken oder Beinahe-Ertrinken
- plötzlich zunehmende oder anhaltende Beschwerden
Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh als zu spät handeln. Symptome können vorübergehend nachlassen und trotzdem eine ernsthafte Ursache haben.
So reagierst du als Buddy richtig
Als Buddy bist du nicht dafür verantwortlich, eine Diagnose zu stellen. Deine Aufgabe ist es, ruhig und strukturiert zu handeln:
- beim Betroffenen bleiben
- für Sicherheit und Wärme sorgen
- Bewusstsein und Atmung überwachen
- Sauerstoff vorbereiten und geben, wenn möglich
- eine Person mit dem Notruf beauftragen
- eine weitere Person mit der DAN-Kontaktaufnahme beauftragen
- Tauchcomputer und Logbuch sichern
- Veränderungen der Symptome dokumentieren
- keine weitere Tauchaktivität zulassen
Ein klares Rollenmodell hilft. Einer kümmert sich um den Taucher, einer telefoniert und einer organisiert Sauerstoff, Ausrüstung und Zugang für den Rettungsdienst.
Prävention: So reduzierst du das Risiko für einen Tauchunfall
Tauchgänge sorgfältig planen
Plane Tiefe, Zeit, Atemgas, Rückweg und Notfalloptionen vor dem Einstieg. Besprich außerdem:
- Wie wird der Tauchgang beendet?
- Wo befindet sich der Treffpunkt?
- Was passiert bei Gasverlust?
- Wer holt den Notfallkoffer?
- Wo ist die nächste medizinische Versorgung?
Ein Sicherheitsstopp ersetzt keine gute Planung. Er ist aber ein wichtiger Bestandteil eines kontrollierten Aufstiegs.
Fitness und Gesundheitszustand beachten
Tauchen mit Fieber, akuten Atemwegsproblemen, starker Erschöpfung oder eingeschränkter Belastbarkeit kann das Risiko erhöhen. Auch Alkohol und andere beeinträchtigende Substanzen gehören nicht vor den Tauchgang.
Ausrüstung regelmäßig warten
Funktionierende Ausrüstung ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Kontrolliere vor jedem Tauchgang unter anderem:
- Atemregler und Inflator
- Flaschenventile und Füllstand
- Tariermittel
- Maske und Flossen
- Tauchcomputer
- Lampen und Batterien
- Boje, Spool und Schneidwerkzeug
Für hochwertige Atemregler findest du bei uns passende Lösungen in der Atemregler-Kollektion. Tauchcomputer gibt es in der Computer-Kollektion.
Wir sind selbst aktive Taucher und beraten dich auch zur passenden Ausrüstung, Wartung und regelmäßigen Revision. Schreib uns einfach per 📱 WhatsApp, E-Mail oder Telefon.
Notfallausrüstung an Bord
Zu einer guten Sicherheitsausstattung gehören je nach Einsatz und Gruppengröße:
- Sauerstoff-Notfallset mit geeigneten Masken
- Erste-Hilfe-Set
- Mobiltelefon, Funkgerät oder Satellitentelefon
- hinterlegte Notrufnummern
- Rettungsdecke
- AED, falls verfügbar
- Schreibmaterial für Tauchprofile
- klare Koordinaten und Anfahrtsbeschreibung
- Notfallplan mit Druckkammer und medizinischen Kontakten
Mehr zur Notfallausrüstung findest du in unserem Beitrag Erste Hilfe beim Tauchen: Maßnahmen, Ausrüstung und Praxistipps für Notfälle.

Ein Rescue-Kurs ist sinnvoll
Niemand möchte einen Tauchunfall erleben. Trotzdem lohnt es sich, Notfallsituationen regelmäßig zu trainieren. In einem Rescue- oder Notfallkurs übst du unter anderem:
- das sichere Bergen eines Tauchers
- den ABC-Check
- Sauerstoffanwendung
- HLW und AED
- Kommunikation und Rollenverteilung
- Unfallmanagement an Land und an Bord
Eine passende Möglichkeit zur Weiterbildung findest du auf unserer Seite Tauch-Weiterbildung.
Fazit: Ruhig bleiben, Sauerstoff geben, Hilfe holen
Bei einem Tauchunfall zählt ein klares Vorgehen:
- Eigenschutz und Unfallstelle sichern
- Bewusstsein und Atmung prüfen
- 100 % Sauerstoff geben
- 112 rufen und „Tauchunfall“ nennen
- Wärme und Ruhe sicherstellen
- Tauchcomputer-Daten und Symptome dokumentieren
- Keine weitere Tauchaktivität
Informiere dich vor jedem Tauchgang über die Notfallausrüstung und die lokalen Rettungswege. Übe die Abläufe regelmäßig – denn im Ernstfall hilft dir vor allem das, was du vorher trainiert hast.
Schreib uns einfach, wenn du Fragen zu Tauchausrüstung, Service oder deiner persönlichen Notfallausstattung hast! 🔥
Häufige Fragen zum Tauchunfall
Was soll ich bei Verdacht auf einen Tauchunfall zuerst tun?
Sichere zuerst dich selbst und den Unfallort. Bringe den Betroffenen aus dem Wasser, prüfe Bewusstsein und Atmung, gib – sofern möglich und geschult – 100 % Sauerstoff und rufe 112. Sage ausdrücklich, dass es sich um einen Tauchunfall handelt.
Muss ich auch bei leichten Beschwerden den Notruf wählen?
Bei neurologischen Symptomen, Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstseinsveränderungen, starkem Schwindel oder Verdacht auf Ertrinken: ja, sofort. Auch scheinbar leichte Beschwerden nach einem Tauchgang sollten tauchmedizinisch abgeklärt werden.
Darf ein Taucher mit Verdacht auf Dekompressionskrankheit erneut abtauchen?
Nein. Eine sogenannte nasse Rekompression solltest du nicht eigenständig durchführen. Der Betroffene benötigt medizinische Beurteilung und gegebenenfalls eine Behandlung in einer Druckkammer.
Welche Daten vom Tauchcomputer sind wichtig?
Wichtig sind Tiefe, Tauchzeit, Aufstieg, Sicherheits- oder Dekompressionsstopps, Oberflächenpause, Atemgas und der Zeitpunkt des Symptombeginns. Sichere die Daten per Foto oder nimm den Computer zur Untersuchung mit.
Ist ein Rescue-Kurs für Sporttaucher sinnvoll?
Ja, klar! Ein Rescue- oder Notfallkurs vermittelt dir praktische Abläufe für Bergung, Sauerstoffgabe, Wiederbelebung, Kommunikation und Unfallorganisation. Gerade für Buddys und Tauchgruppenleiter ist regelmäßiges Training besonders wertvoll.
























