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Ja, klar! Eine volle Tauchflasche gehört zu jedem gelungenen Tauchgang. Trotzdem solltest du beim Tauchflasche-Füllen nicht nur auf den angezeigten Druck achten. Entscheidend sind auch der Zustand der Flasche, die Qualität des Atemgases und bei Nitrox natürlich der exakte Sauerstoffanteil.

Wir sind selbst aktive Taucher und wissen: Eine kurze Kontrolle vor dem Tauchgang schafft Sicherheit und verhindert unangenehme Überraschungen an der Basis oder am See. In diesem Artikel erfährst du, worauf du bei Pressluft und Nitrox achten musst.

Pressluft oder Nitrox: Was kommt in die Tauchflasche?

Pressluft ist normale, komprimierte Atemluft. Sie enthält ungefähr 21 % Sauerstoff und rund 78 % Stickstoff. Für die meisten Sporttauchgänge ist Pressluft der Standard.

Nitrox ist ein Atemgas mit einem erhöhten Sauerstoffanteil. Typische Mischungen sind:

  • EAN32 mit 32 % Sauerstoff
  • EAN36 mit 36 % Sauerstoff
  • Weitere Mischungen je nach Ausbildung und Tauchplanung

Nitrox kann bei passenden Tauchprofilen längere Nullzeiten ermöglichen. Der höhere Sauerstoffanteil bedeutet aber auch: Die maximale Betriebstiefe, kurz MOD, muss unbedingt beachtet werden.

Wichtig: Nitrox ist nicht automatisch „sicherer“ als Pressluft. Du musst das Gemisch analysieren, die MOD berechnen und deinen Tauchcomputer korrekt einstellen.

Vor dem Füllen: Diese Punkte solltest du prüfen

Bevor du deine Tauchflasche zur Füllstation bringst, lohnt sich eine kurze Kontrolle.

1. Gültige Prüfung und sichtbarer Flaschenzustand

Eine Füllstation darf eine Flasche in der Regel nur befüllen, wenn die vorgeschriebene Prüfung noch gültig ist. Kontrolliere deshalb:

  • Gültigen Prüfstempel beziehungsweise Prüfstatus
  • Keine sichtbaren Dellen, tiefen Kratzer oder starken Korrosionsstellen
  • Kein beschädigtes oder schwergängiges Ventil
  • Lesbare Flaschenkennzeichnung
  • Passenden Nenndruck (zum Beispiel 200 oder 300 bar)

Bei Unsicherheit solltest du die Flasche nicht einfach anschließen lassen. Lass sie zuerst von einem Fachbetrieb prüfen.

2. Restdruck nicht vollständig auf null bar fallen lassen

Viele Füllstationen verlangen einen Restdruck von ungefähr 20 bar. Das ist sinnvoll: Ein kleiner Überdruck verhindert, dass feuchte Umgebungsluft oder Verunreinigungen in die Flasche gelangen.

Ist die Flasche komplett leer, kann sich im Inneren Feuchtigkeit sammeln. Das erhöht langfristig das Korrosionsrisiko. Außerdem kann die Füllstation eine Flasche ohne Restdruck ablehnen oder eine zusätzliche Kontrolle verlangen.

3. Vorhandenes Gas immer angeben

Du weißt nicht genau, welches Gas sich noch in der Flasche befindet? Dann sag es der Füllstation unbedingt. Ein unbekanntes Restgemisch darf nicht einfach mit Pressluft oder Nitrox aufgefüllt werden.

Auch bei einem Flaschenwechsel solltest du klar kommunizieren:

  • Was aktuell in der Flasche ist
  • Welches Gas du anschließend möchtest
  • Mit welchem Druck gefüllt werden soll
  • Ob es sich um eine Sauerstoff-füllfähige Flasche handelt

Pressluft füllen lassen: Auf die Gasqualität achten

Für Atemluft gelten Anforderungen an Reinheit und Feuchtigkeit. Die DIN EN 12021 beschreibt unter anderem Grenzwerte für Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Öl und Wasser in Atemluft.

Eine gute Füllstation wartet und kontrolliert ihre Kompressoranlage regelmäßig. Frage ruhig nach, ob die Anlage geprüft wird und ob Atemluft entsprechend der geltenden Vorgaben geliefert wird.

Achte nach dem Füllen außerdem auf:

  • Realistischen Enddruck
  • Auffälligen Geruch oder Geschmack
  • Starke Erwärmung der Flasche während des Füllens
  • Undichtigkeiten am Ventil
  • Beschädigungen am Flaschenhals oder an der Beschriftung

Ein leichter Eigengeruch kann je nach Anlage vorkommen. Starker Öl- oder Abgasgeruch ist dagegen ein klares Warnsignal. In diesem Fall solltest du das Gas nicht verwenden und die Füllstation umgehend informieren.

Nitrox füllen lassen: Diese Regeln sind besonders wichtig

Bei Nitrox reicht es nicht, eine normale Pressluftflasche an eine beliebige Füllanlage anzuschließen. Entscheidend sind Sauerstoffverträglichkeit, Füllverfahren und Kennzeichnung.

Sauerstoffrein und sauerstoffkompatibel

Je nach Mischungsverfahren muss die Flasche für Sauerstoff geeignet und entsprechend vorbereitet sein. Dazu gehören unter anderem:

  • Sauerstoffgeeignete Ventilkomponenten
  • Passende O-Ringe und Schmierstoffe
  • Saubere, fett- und öl-freie Innenflächen
  • Geeignete Füllschläuche und Anschlüsse
  • Eine klare Kennzeichnung für Nitrox oder Sauerstoffbetrieb

Bei Nitrox-Mischungen mit höherem Sauerstoffanteil gelten zusätzliche Anforderungen. In Europa wird häufig ein M26×2-Anschluss für Sauerstoff beziehungsweise entsprechende Nitrox-Anwendungen verwendet. Die konkreten Vorgaben können sich jedoch je nach Füllstation, Füllverfahren und Land unterscheiden.

Verwende deshalb niemals eigenständig Adapter, wenn du nicht genau weißt, ob Flasche, Ventil und Füllanlage dafür freigegeben sind. Frage im Zweifel vorher bei der Füllstation nach.

Divesoft ECHO Analyzer zur Messung von O2, Helium und CO

Nitrox-Brevet und Füllstationsregeln

Viele Füllbetriebe verlangen beim Nitrox-Füllen einen Nachweis über deine entsprechende Ausbildung. Das ist nachvollziehbar: Du musst die Risiken des erhöhten Sauerstoffanteils kennen und das Gemisch korrekt planen.

Wenn du Nitrox bisher noch nicht getaucht bist, findest du bei Tauchwerkstatt passende Angebote für einen SSI Nitrox Kurs.

Nach dem Füllen: Nitrox immer selbst analysieren

Der wichtigste Schritt kommt nach dem Füllen: Du musst wissen, welches Gas tatsächlich in deiner Flasche ist.

Verlass dich nicht ausschließlich auf einen Aufkleber oder eine mündliche Angabe. Der Sauerstoffanteil kann durch das Füllverfahren, Temperaturunterschiede und die Durchmischung leicht von der Zielmischung abweichen.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:

  1. Flasche nach dem Füllen nach Vorgabe der Füllstation ruhen lassen (häufig etwa 30 bis 60 Minuten).
  2. Nitrox-Analyzer einschalten.
  3. Sensor nach Herstellerangabe kalibrieren.
  4. Einen kleinen, kontrollierten Gasstrom am Analysegerät erzeugen.
  5. Warten, bis der Messwert stabil ist.
  6. Sauerstoffanteil ablesen und dokumentieren.
  7. O₂-Prozent und MOD gut sichtbar auf der Flasche notieren.

Der Divesoft DNA Analyzer ist dafür besonders praktisch. Er misst Sauerstoff von 1 bis 100 %, lässt sich per Bluetooth mit der Divesoft App verbinden und kann unter anderem die MOD anzeigen. Durch seine kompakte Größe passt er einfach in die Tauchtasche.

Für technische Taucher ist der Divesoft Solo Analyzer interessant. Er analysiert Sauerstoff und Helium und eignet sich damit auch für Nitrox- und Trimix-Anwendungen.

MOD bei Nitrox berechnen

Die MOD beschreibt die maximale Tiefe, in der dein Sauerstoffpartialdruck den festgelegten Grenzwert nicht überschreitet.

Eine häufig verwendete Formel lautet:

MOD = ((maximaler pO₂ / O₂-Anteil) − 1) × 10

Bei einem Arbeitsgrenzwert von 1,4 bar pO₂ ergibt sich:

Beispiel EAN32

  • Sauerstoffanteil: 0,32
  • Maximaler pO₂: 1,4 bar

MOD = ((1,4 / 0,32) − 1) × 10 = ungefähr 33,8 m

EAN32 solltest du bei diesem Grenzwert also nicht tiefer als rund 33 Meter tauchen.

Beispiel EAN36

MOD = ((1,4 / 0,36) − 1) × 10 = ungefähr 28,9 m

Bei EAN36 liegt die MOD somit bei rund 28 Metern.

Die häufig genannte Grenze von 1,6 bar ist keine normale Planungstiefe. Sie wird in vielen Ausbildungsstandards als absolute Notfallgrenze behandelt. Maßgeblich sind immer deine Ausbildung, dein Tauchplan und die Vorgaben deiner Organisation.

Tauchcomputer richtig einstellen

Nach der Analyse stellst du den tatsächlichen Sauerstoffanteil in deinem Tauchcomputer ein. Nicht den gewünschten Wert. Nicht den Wert auf dem alten Aufkleber. Sondern den Wert, den du gerade gemessen hast.

Beispiel:

  • Gewünscht war EAN32.
  • Gemessen wurden 31,4 % Sauerstoff.
  • Dann stellst du deinen Computer auf 31 % oder 31,4 %, je nach Bedienungsanleitung und Rundungsregel.

Kontrolliere zusätzlich:

  • MOD am Computer
  • Maximale geplante Tiefe
  • Sauerstoffpartialdruck
  • Gaswechsel bei technischen Tauchgängen
  • Flaschenkennzeichnung und Tauchpartner-Check

Häufige Fehler beim Tauchflasche-Füllen

Diese Fehler solltest du vermeiden:

  • Eine Flasche ohne gültige Prüfung füllen lassen
  • Eine komplett leere Flasche ohne Rücksprache anschließen
  • Unbekanntes Restgas verschweigen
  • Nitrox in einer nicht geeigneten Flasche verwenden
  • Den O₂-Anteil nicht selbst messen
  • MOD nicht berechnen
  • Den Tauchcomputer auf den falschen Gaswert einstellen
  • Nur nach Farbe oder Aufkleber der Flasche gehen
  • Füllstationen mit ungeeigneten Adaptern oder eigener Ausrüstung improvisieren

Deine Checkliste für die nächste Füllung

Pressluft

  • Prüfung der Flasche gültig
  • Flasche äußerlich unbeschädigt
  • Mindestens etwa 20 bar Restdruck
  • Füllstation über Restgas informiert
  • Atemluftqualität und Wartung der Anlage plausibel
  • Ventil nach dem Füllen auf Dichtigkeit geprüft

Nitrox

  • Nitrox-Brevet vorhanden
  • Flasche und Ventil für das Füllverfahren geeignet
  • Sauerstoffreinheit beziehungsweise O₂-Kompatibilität geklärt
  • Zielgemisch und Enddruck mitgeteilt
  • Nach dem Füllen selbst analysiert
  • O₂-Anteil und MOD notiert
  • Tauchcomputer korrekt eingestellt
  • Buddy über das Gas informiert

Merke: Beim Tauchflasche-Füllen geht es nicht nur darum, möglichst schnell wieder 200 oder 300 bar zu haben. Es geht darum, dass du ein sauberes, passendes und überprüftes Atemgas bekommst.

Wir beraten dich natürlich gern bei der Auswahl eines passenden Analyzers oder bei Fragen zu Nitrox-Ausrüstung. Du erreichst uns auch am Wochenende per 📱 WhatsApp oder Telefon unter +49 3471 6238518 sowie per 📧 E-Mail an info@tauchwerkstatt.eu.

Schreib uns einfach, wenn du Unterstützung brauchst – wir helfen dir umgehend weiter! 🔥

Quellen und weiterführende Informationen

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