Tauchen mit mehreren gasen ist für viele technisch orientierte Taucher nicht nur eine Methode zur Verlängerung der Dekompression, sondern ein grundlegendes Konzept für sicheres, tieferes Tauchen. Wer sich mit Trimix, Nitrox und reinen Sauerstoff- oder Heliumgemischen beschäftigt, braucht solides Wissen über Gaswahl, Planung, Ausrüstung und Notfallmanagement. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen, gibt praxisnahe Beispiele, zeigt Checklisten und beleuchtet, wie Fachhändler wie Tauchwerkstatt Unterstützung bieten können.
Warum mehrere Gase? Der Sinn hinter Gaswechseln
Technische Tauchgänge verlangen, die Risiken von Tiefenwirkung, Dekompressionsverpflichtung und Sauerstofftoxizität simultan zu managen. Das Konzept des tauchen mit mehreren gasen beruht darauf, für verschiedene Phasen des Tauchgangs jeweils das optimal abgestimmte Gas zu verwenden:
- Ein Hypoxes oder normoxes Trimix (mit Helium) für den Tiefenbereich, um Narkose zu reduzieren und eine sichere Sauerstoffpartialdruckkontrolle zu ermöglichen.
- Hero- oder Travel-Gases für Aufstiegsphasen.
- Reine Sauerstoff- oder hochprozentige Nitrox-Gase für beschleunigte Dekompression in flachen Tiefen.
Vorteile: geringere Dekozeit, geringere Narkosewirkung, bessere Kontrolle der O2-Exposition und insgesamt erhöhter Sicherheits-Freiraum — vorausgesetzt, die Planung und Disziplin stimmen.
Grundbegriffe und Gasarten
Was ist Trimix, Nitrox, Heliox?
Trimix bezeichnet ein Atemgas mit Sauerstoff, Stickstoff und Helium. Helium reduziert die narkotische Wirkung des Stickstoffs auf das zentrale Nervensystem und senkt die Dichte des Atemgases bei großen Tiefen.
Nitrox ist ein Sauerstoff-angereichertes Luftgemisch (mehr O2, weniger N2). Es verlängert die Nullzeit an moderaten Tiefen und wird oft als Deko- oder Bottom-Gas bei weniger tiefen Tauchgängen genutzt.
Heliox enthält nur Helium und Sauerstoff und wird selten im Sporttauchen eingesetzt, findet aber in speziellen technischen Anwendungen Verwendung.
Wichtige Kennzahlen
- PPO2 (Partialdruck von Sauerstoff): Entscheidend für Oxidationstoxizität und Bewusstseinsversorgung.
- MOD (Maximum Operating Depth): Tiefe, bei der der PPO2 eines Gases den zulässigen Grenzwert erreicht.
- END (Equivalent Narcotic Depth): Gibt die narkotische Wirkung eines Gemisches im Vergleich zur Luft an (Helium wirkt nicht narkotisch).
Formel für die MOD-Berechnung (in Metern):
MOD (m) = ((PPO2_target / FO2) - 1) * 10
Beispiel: Für PPO2_target = 1,4 bar und FO2 = 0,5 (50 % O2) ergibt sich MOD ≈ 18 m.
Planung eines Tauchgangs mit mehreren Gasen
Schritt 1: Ziel- und Gaswahl
Der Plan beginnt mit der gewünschten Tiefe und der daraus folgenden Auswahl des Bottom-Gases. Bei tiefen Tauchgängen ist häufig ein hypoxes Trimix sinnvoll, um die Narkose zu reduzieren und gleichzeitig den PPO2 im zulässigen Bereich zu halten.
Beispiel: Ziel 60 m. Angestrebter PPO2 am Boden 1,2–1,3 bar. Pabs bei 60 m = 7 bar. FO2 ≈ 1,3 / 7 ≈ 0,185 → rund 18 % O2. Darauf aufbauend wählt der Taucher das Trimix (z. B. TX18/40 – 18 % O2, 40 % He, Rest N2).
Schritt 2: Dekompressionsstrategie
Nach Festlegung des Bottom-Gases wird die Deko geplant: Welche Gase werden bei welchen Tiefen verwendet? Typischer Aufbau:
- Bottom-Gas: Trimix (für Arbeitstiefe)
- Intermediate-Gas: z. B. Nitrox 50 % bei etwa 21 m (abwegen auf PPO2)
- Final Deco: Reiner Sauerstoff bei 6 m (Sauerstoff-PPO2 = 1,6 bar) für kurze Abschnitte
Die Dekompressionszeiten berechnet ein geeignetes Profiling-Tool oder ein technischer Deko-Algorithmus (Buehlmann, VPM, RGBM). Moderne Tauchcomputer (Shearwater, Suunto, Garmin) oder Desktop-Programme (Subsurface, GUE TM) unterstützen die Planung und simulieren O2-Exposition (CNS) und OTU.
Schritt 3: Gasberechnung und Reserve
Es gilt, den Gasverbrauch (SAC/SAR) für Arbeit, Aufstieg und Notfälle zu kalkulieren. Bei mehreren Gasmischungen müssen Volumen und Reservezylinder für jeden Gasbereich getrennt berechnet werden. Immer mit großzügiger Reserve planen — in der Praxis wird häufig eine Drittelregel für Gasbuddies oder konservativere Puffer für technical dives angewendet.
Gasmanagement und Sicherheit
Analyse, Kennzeichnung, Container-Management
Vor jedem Tauchgang müssen alle Flaschen analysiert und eindeutig beschriftet werden. Die Kennzeichnung sollte beinhalten:
- Gasmischung in Prozent (z. B. TX18/40, O2 50%)
- MOD / maximale Einsatztiefe
- Datum der Mischung und Name des Blenders
Wichtige Praxis: Jede Flasche wird mit einem eigenen Regler versehen (kein Tausch), Ventile sind mit Schutzkappen versehen und Gase werden nach einem Farbschema sortiert (z. B. gelb für O2, blau für Helium-haltige Gase), sofern lokal üblich.
Gaswechsel-Prozedur – eine sichere Routine
Der Gaswechsel ist eine kritische Handlung. Ein sauberer Ablauf reduziert Fehlatmungen und Verwechslungen. Empfohlene Checkliste vor dem Wechsel:
- Stoppen und neutral halten (keine Hektik).
- Sichtprüfung der Flaschenkennzeichnung.
- Anaylse des Sauerstoffanteils mit dem Analyzer und Abgleich mit dem Etikett.
- MOD/PPO2 an aktueller Tiefe prüfen (Tauchcomputer oder Taschenrechner).
- Nur nach positiver Verifizierung einen Atemzug vom Zielregler nehmen — erst dann vollständig umschalten.
- Altes Signalgas stummschalten und Regler sicher verstauen.
Diese Prozedur sollte in Trainingseinheiten so oft geübt werden, bis sie automatisiert und stressresistent abläuft.
Sauerstofftoxizität und Limits
Sauerstoff ist lebenswichtig — aber in hohen Partialdrücken toxisch. Wichtige Richtwerte:
- Arbeits-O2 (PPO2): üblicher Grenzwert 1,4 bar (konservativ), maximal 1,6 bar kurzfristig für Dekozwecke.
- CNS-Clock: Moderne Computer verfolgen die CNS-Belastung. Ein Wert von 100 % gilt als maximal zulässig für eine Exposition.
- OTU (Oxygen Toxicity Units): Nützlich für länger andauernde Anwendungen, wird von einigen Computern ebenfalls getrackt.
Der praktische Rat lautet: Gase so wählen, dass am jeweiligen Einsatzpunkt der PPO2 sicher unter den gewählten Grenzwerten liegt und die O2-Exposition im Gesamtprofil überwacht wird.
Ausrüstung für Tauchen mit mehreren Gasen
Flaschen, Ventile und Regler
Technische Taucher nutzen oft Doppelkonfigurationen (Backmount doubles) oder Wing-Systeme mit Stage- und Deco-Flaschen. Wichtige Komponenten:
- Druckfeste Flaschen in passenden Größen (z. B. 7–12 L für Stages, 12–15 L für Doubles)
- DIN- oder INT-Ventile je nach regionaler Praxis
- Regler für Heliumgebrauch — regelmäßige Wartung und Kontrolle auf Öl-Freiheit
- Speziell markierte First- und Second-Stage-Regler für jeden Gasanschluss
Die richtige Hardware ist entscheidend. Hersteller wie xDeep bieten Wings und Harnesses, die speziell auf technische Konfigurationen ausgelegt sind; ScubaForce und FinnSub liefern hochwertige Regler und Ventiltechnik. Tauchwerkstatt führt diese Marken und kann bei der Zusammenstellung beraten.
Tauchcomputer und Software
Ein Multi-Gas-fähiger Tauchcomputer ist Pflicht: Er muss mehrere Gase in Bottom- und Dekophase verwalten können sowie PPO2, CNS, MOD und Dekozeiten korrekt anzeigen. Empfehlenswerte Modelle kommen von Shearwater, Suunto oder Garmin.
Zur Planung bieten sich Software-Lösungen an: Subsurface, Shearwater Desktop oder proprietäre Tools von Ausbildungsagenturen. Tauchwerkstatt unterstützt Kunden oft bei Auswahl und Konfiguration der Geräte.
Gasmischungen herstellen und befüllen
Blend-Methoden kurz erklärt
- Partial Pressure Blending (PPB): Gase werden nacheinander nach Partialdruck eingefüllt — höchste Präzision, aber potenziell komplex.
- Mass Fraction Mixing bzw. Massenbasierte Verfahren: Moderne Messgeräte und Computer steuern genaue Mischungen.
- Continuous Blending: Beim Füllen aus speziellen Helium- und Sauerstoffquellen, oft in größeren Anlagen.
Wichtig: Heliumhaltige Gase benötigen saubere, ölfreie Kompressoren und geprüfte Anlagen. Außerdem empfiehlt sich immer eine Nachanalyse jeder Flasche nach dem Mischen — nie blind auf Etiketten verlassen.
Services und Unterstützung durch Fachhändler
Viele Taucher nutzen lokale oder Online-Dienste für das Befüllen — Tauchwerkstatt bietet neben Produktverkauf auch Beratung, z. B. welche Gase sinnvoll sind, welche OEM-Teile passen, und welche Ausrüstung für bestimmte Profile empfehlenswert ist. Für Blending selbst sollte auf zertifizierte Blending-Services zurückgegriffen werden.
Notfälle und Risikomanagement
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- Falsche Flaschenkennzeichnung → immer analysieren.
- Unter-/Überdokumentierte Gaswechsel → feste Checklisten nutzen.
- Ungeübte Tiefenarbeit ohne Ausbildung → nur nach Zertifizierung und Begleitung.
- Atemregler, die nicht für Helium geeignet sind → regelmäßige Wartung.
Was, wenn das Gas falsch ist?
Wenn nach dem Wechsel eine falsche Mischung erkannt wird (z. B. zu wenig O2): Ruhe bewahren, sofort Rückwechsel auf bekanntes Safe-Gas durchführen, Buddy informieren und ASC (aufsteigen) nach Notfallprotokoll einleiten, falls erforderlich. Bei Verwirrung oder Symptomen (Benommenheit, Atemnot) ist die schnellstmögliche Dekompression und ärztliche Betreuung nötig.
Training und Zertifizierung
„Tauchen mit mehreren gasen“ erfordert fundierte Ausbildung. Empfohlene Kurse und Organisationen sind:
- TDI (Technical Diving International) – Nitrox, Decompression Procedures, Trimix-Kurse
- IANTD und PADI TecRec – technische Kurse mit Gasmanagement
- GUE – holistischer Ansatz, strikte Teamprozeduren
Trainer und Schulen vermitteln nicht nur Theorie, sondern auch praktische Routinen: Gaswechsel, Stage-Handling, Notfallverfahren und Teamkommunikation — alles unabdingbar für sicherheitsbewusstes Tauchen mit mehreren Gasen. Für die Auswahl passender Aus- und Fortbildungen siehe unsere Übersicht zu Kurse und Ausbildung.
Praktische Beispiele: Zwei typische Profile
Beispiel 1: Moderater technischer Tauchgang (Rekreativ erweitert)
Ziel: 40 m, Bottom-Time 20 min
- Bottom-Gas: Nitrox ist hier ungeeignet — ein normoxes Trimix (z. B. TX21/35) reduziert Narkose.
- Deco-Gase: 50 % Nitrox ab 21 m, 100% O2 ab 6 m.
- Planung mit konservativer Nullzeit und Deko-Algorithmus → kurze Deko dank 50 % Nitrox.
Beispiel 2: Tiefer technischer Explorationstauchgang
Ziel: 70 m, Bottom-Time 15 min
- Bottom-Gas: TX18/40 (oder ähnlicher hypoxer Trimix, so dass PPO2 ~1,3 am Boden ist).
- Gaswechsel: Während Aufstiegs auf Intermediate-Travels (z. B. 21 m: 50% Nitrox), dann 9 m: 100% O2 für finale Deko.
- Backup: Stage-Flasche mit Notgas (z. B. Luft oder 21/35 Trimix) für Buddy-Sharing bei tieferen Zwischenfällen.
Beide Beispiele sind stark vereinfacht — in der Praxis muss jede Zahl auf SAC/Werte, Umgebung, und persönliche Fitness abgestimmt werden.
Tipps aus der Praxis
- Immer zweimal analysieren: Blending-Station und vor dem Anlegen.
- Regelmäßige Notfallübungen mit Buddy, inklusive Gaswechsel unter Stress.
- Vor jedem Tauchgang klare Rollen- und Kommunikationsabsprachen (wer wechselt, wer führt Logs).
- Dokumentation aller Gasfüllungen, Analysewerte und MODs digital oder im Logbuch.
- Beim Kauf: Auf Qualität und Service achten — Tauchwerkstatt empfiehlt xDeep für Wing/Harness, ScubaForce und FinnSub für hochwertige Regler und Ventile.
Fazit
Tauchen mit mehreren gasen eröffnet technisch ambitionierten Tauchern enorme Möglichkeiten: längere Bottom-Zeiten, schnellere Dekompression und weniger Narkose. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine sorgsame, konservative Planung, diszipliniertes Gasmanagement, saubere Ausrüstung und fundierte Ausbildung. Kleine Fehler können große Konsequenzen haben — deshalb ist eine Kombination aus Routine, Checklisten und gutem Equipment (etwa von Herstellern wie xDeep, ScubaForce oder FinnSub, erhältlich bei Tauchwerkstatt) unverzichtbar.
Wer das Thema ernsthaft verfolgt, sollte in entsprechende Kurse investieren, regelmäßig trainieren und seine Ausrüstung gemeinsam mit Fachhändlern und Wartungsdiensten prüfen lassen. Gut vorbereitet, bleibt das Tauchen mit mehreren Gasen eine spannende und sehr lohnende Disziplin der Unterwasserwelt.
Frequently Asked Questions
Welche Gase sind bei technischen Tauchgängen am wichtigsten?
Trimix für tiefe Abschnitte, Nitrox für moderate Tiefen oder Dekozwecke und reiner Sauerstoff für flache Dekostopps sind die wichtigsten Gase. Die konkrete Auswahl hängt von Tiefe, Dauer und Dekompressionsstrategie ab.
Wie oft müssen Gase analysiert werden?
Jede Flasche muss unmittelbar nach dem Befüllen analysiert und vor jedem Tauchgang nochmals überprüft werden. Eine zweite Messung durch den Taucher vor dem Anlegen ist Standard und verhindert Verwechslungen.
Welche PPO2-Grenzwerte gelten?
Als konservative Grenze für den Arbeitseinsatz wird PPO2 ≈ 1,4 bar empfohlen; für kurze Dekoexpositionen kann bis zu 1,6 bar toleriert werden. Die Gesamtbelastung (CNS) sollte während des Tages überwacht werden.
Kann man ohne technische Ausbildung mit mehreren Gasen tauchen?
Nein. Das Tauchen mit mehreren Gasen erfordert spezielle Ausbildung, praktische Übung und Erfahrung. Kurse von TDI, IANTD, PADI TecRec oder GUE vermitteln die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten.
Wie hilft Tauchwerkstatt beim Einstieg ins Multi-Gas-Tauchen?
Tauchwerkstatt bietet Beratung zur Ausrüstungswahl (z. B. xDeep-Wings, ScubaForce-Regler, FinnSub-Ventile), Hilfestellung bei der Zusammenstellung von Gas-Setups, Verkauf von Analyzern und Zubehör sowie technische Beratung für Trainingskunden. Für Blending und endgültige Gasfüllungen empfiehlt Tauchwerkstatt zertifizierte Blending-Partner.
























