Absolut! Wenn du dich schon einmal mit High-End-Tauchcomputern beschäftigt hast, bist du unweigerlich über den Namen Shearwater gestolpert. Ob der legendäre Perdix 2 oder der stylische Teric im Uhrenformat – diese Geräte gelten in der Tauchszene als der Goldstandard. Aber warum ist das so? Es ist nicht nur das brillante Display oder die robuste Bauweise. Das wahre „Gehirn“ und der Grund, warum Profis weltweit auf diese Computer vertrauen, ist der Algorithmus: der Bühlmann ZHL-16C mit Gradient Factors.
In diesem Blogbeitrag schauen wir uns gemeinsam an, was hinter diesen kryptischen Begriffen steckt, warum sie deine Sicherheit massiv erhöhen und wie du deinen Shearwater optimal für deinen nächsten Tauchgang einstellst. Wir sind selbst aktive Taucher und wissen: Nichts geht über das gute Gefühl, sich unter Wasser zu 100 % auf seine Technik verlassen zu können. 🔥
Das Herzstück: Was ist der Bühlmann ZHL-16C?
Bevor wir in die Einstellungen eintauchen, müssen wir kurz verstehen, was dein Computer da eigentlich berechnet. Der Bühlmann ZHL-16C ist nach dem Schweizer Arzt Dr. Albert Bühlmann benannt. Das „ZHL“ steht für Zürich (Limits) und die „16“ für die Anzahl der Gewebegruppen (Kompartimente), die simuliert werden.
Dein Körper besteht nicht nur aus einem „Block“ Fleisch. Deine Lunge nimmt Stickstoff schnell auf, deine Knochen oder dein Fettgewebe dagegen sehr langsam. Der Algorithmus simuliert diese 16 verschiedenen Gewebetypen in Echtzeit. Er berechnet während des gesamten Tauchgangs, wie viel Stickstoff jedes dieser Gewebe aufgenommen hat und wie schnell es ihn beim Aufstieg wieder abgeben kann, ohne dass sich gefährliche Blasen bilden.
Warum Shearwater hier die Nase vorn hat:
Shearwater nutzt diesen Algorithmus in seiner reinsten Form, gibt dir aber die volle Kontrolle darüber, wie konservativ – also wie vorsichtig – du tauchen möchtest. Das passiert über die sogenannten Gradient Factors (GF).

Gradient Factors: Dein persönlicher Sicherheitsgurt
Die Gradient Factors sind das Tool, mit dem du entscheidest, wie viel Risiko du eingehst. Sie werden immer als zwei Zahlen dargestellt, zum Beispiel 30/70 oder 40/85.
Aber was bedeuten diese Zahlen eigentlich? Ganz einfach: Sie definieren, wie nah du an die theoretische Grenze des Stickstoffdrucks herangehst, den dein Körper laut Modell vertragen kann (die sogenannte M-Value).
1. Die erste Zahl (GF Low): Der erste Stopp
Die erste Zahl bestimmt, wie tief dein erster Dekompressionsstopp (oder bei Nullzeittauchgängen die Tiefe, ab der der Computer dich „einbremst“) stattfindet.
- Ein niedriger Wert (z. B. 30) führt dazu, dass du früher (tiefer) mit dem ersten Stopp beginnst. Das hilft, die Blasenbildung schon in der Tiefe zu kontrollieren.
- Ein höherer Wert (z. B. 50) lässt dich weiter aufsteigen, bevor der erste Stopp verlangt wird.
2. Die zweite Zahl (GF High): Die Sicherheit an der Oberfläche
Die zweite Zahl ist für die meisten Sporttaucher die wichtigere. Sie bestimmt, wie viel Restsättigung du noch im Körper hast, wenn du die Oberfläche erreichst.
- Ein Wert von 70 bedeutet, dass du nur 70 % des theoretisch Erlaubten ausnutzt. Du bist also sehr sicher unterwegs.
- Ein Wert von 95 bedeutet, dass du sehr nah an die Grenze gehst. Das ist weniger konservativ und erhöht das Risiko für eine Dekompressionskrankheit (DCS).
Warum diese Algorithmen deine Sicherheit erhöhen
Natürlich könntest du auch mit einem einfachen Computer tauchen, der dir nur „Deko“ oder „Keine Deko“ anzeigt. Aber ein Shearwater mit Gradient Factors bietet dir entscheidende Vorteile:
- Individualität: Jeder Mensch ist anders. Bist du topfit, jung und gut hydriert? Oder bist du vielleicht etwas älter, hattest einen anstrengenden Tag oder tauchst in eiskaltem Wasser? Mit den GFs kannst du deinen Computer umgehend an deine Tagesform anpassen.
- Transparenz: Du siehst genau, was dein Computer macht. Es gibt keine „Black Box“, bei der du hoffen musst, dass der Hersteller einen guten Algorithmus programmiert hat.
- Vermeidung von Mikroblasen: Durch die gezielte Steuerung des Aufstiegs (vor allem durch einen moderaten GF Low) verringerst du die Entstehung von Mikroblasen, die dich nach dem Tauchgang müde und schlapp machen können.
Wenn du gerade erst mit dem Tauchen anfängst und dich fragst, wie du dein Wissen vertiefen kannst, schau dir doch mal unseren Leitfaden für Anfänger an. Es ist wichtig, die Grundlagen zu verstehen, bevor man sich an die komplexen Deko-Themen wagt!
Die optimalen Einstellungen für deinen Shearwater
Jetzt wird es praktisch! Wie solltest du deinen Perdix 2 oder Teric einstellen? Hier sind unsere Empfehlungen für verschiedene Tauchprofile:
Für Sporttaucher (Nullzeittauchgänge)
Wenn du keine geplanten Dekostopps machst, empfehlen wir die Standardeinstellung 40/85.
- GF High 85: Bietet einen soliden Puffer an der Oberfläche.
- GF Low 40: Sorgt für einen kontrollierten Aufstieg aus der Tiefe.
Tipp: Wenn du dich nach dem Tauchen oft sehr müde fühlst, versuch es mal mit 35/75. Das ist konservativer und schont deinen Körper deutlich mehr.
Für technische Taucher (Deko-Tauchgänge)
Hier wird es oft etwas aggressiver in der Tiefe, um die Gesamtaufstiegszeit nicht ins Unendliche zu treiben. Ein Klassiker ist 30/70.
- 30 Low: Erzeugt „Deep Stops“, um das schnelle Wachstum von Blasen zu verhindern.
- 70 High: Ein sehr sicherer Puffer für die finale Sättigung.

Shearwater Hardware: Perdix 2 vs. Teric
Welches Gerät passt zu dir? Beide nutzen exakt den gleichen Algorithmus, unterscheiden sich aber in der Handhabung.
- Shearwater Perdix 2: Das Arbeitstier. Ein riesiges, extrem klares Display, betrieben mit einer Standard-AA-Batterie (die du überall auf der Welt bekommst). Ideal für alle, die perfekte Ablesbarkeit wollen – egal ob mit Handschuhen oder in trübem Wasser.
- Shearwater Teric: Die ultimative Taucheruhr. AMOLED-Display, Saphirglas und ein Design, das du auch abends im Restaurant tragen kannst. Trotz der kompakten Größe bietet sie alle technischen Features des Perdix 2, inklusive Luftintegration für bis zu vier Sender.
Egal für welches Modell du dich entscheidest, die Sicherheit durch den Bühlmann-Algorithmus ist immer an Bord. Wenn du deine Ausrüstung optimieren willst, denk auch an dein Tariersystem. Ein stabiles Wing-System hilft dir, deine Tiefe präzise zu halten, was für eine saubere Dekompression essentiell ist. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag über die Vorteile von Wing-Systemen.
Sicherheit beginnt vor dem Abtauchen
Ein toller Algorithmus nützt wenig, wenn der Rest nicht stimmt. Sicherheit beim Tauchen ist immer ein Gesamtpaket. Dazu gehört:
- Der Buddy Check: Bevor es ins Wasser geht, muss alles sitzen. Nutze unsere Checkliste für den perfekten Buddy Check.
- Die richtige Ausbildung: Organisationen wie PADI oder SSI bieten spezielle Kurse für „Decompression Diving“ an, in denen du den Umgang mit Gradient Factors im Detail lernst.
- Tarierung: Nur wer seine Tarierung meistert, kann die vom Computer geforderten Stopps auf den Meter genau einhalten.

Fazit: Warum ein Shearwater dein bester Buddy ist
Ganz einfach: Ein Shearwater-Computer nimmt dir das Raten ab. Er gibt dir Werkzeuge an die Hand, die früher nur wissenschaftlichen Expeditionen vorbehalten waren. Durch das Verständnis der Bühlmann ZHL-16C Gradient Factors wirst du nicht nur ein sichererer Taucher, sondern verstehst auch besser, was in deinem Körper während eines Tauchgangs passiert.
Wir bei der Tauchwerkstatt lieben diese Computer, weil sie uns die Freiheit geben, unsere Tauchgänge so sicher wie möglich zu gestalten – egal ob wir in einem der schönsten Tauchplätze Deutschlands abtauchen oder eine Expedition planen.
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