
Du vertraust deinem Tauchcomputer blind? Klar, moderne Geräte von Shearwater, Garmin oder Mares sind technische Meisterwerke. Sie berechnen in Echtzeit deine Stickstoffsättigung, zeigen dir Dekostopps an und warnen dich bei zu schnellem Aufstieg. Aber was passiert, wenn genau dieses Gerät in 40 Metern Tiefe plötzlich den Geist aufgibt?
Genau hier liegt das Problem: Ein einzelner Tauchcomputer ist kein vollständiges Backup-System. Er ist nur die Hälfte davon. In diesem Artikel zeigen wir dir, warum Redundanz beim Tauchen so wichtig ist – und wie du mit Runtime-Tables und manuellen Backup-Systemen auch im Ernstfall sicher an die Oberfläche kommst.
Warum dein Tauchcomputer großartig ist – aber nicht perfekt
Lass uns ehrlich sein: Tauchcomputer haben das Tauchen revolutioniert. Früher musstest du mit starren Tauchtabellen arbeiten, komplizierte Berechnungen im Kopf machen und hattest kaum Spielraum für Profiländerungen während des Tauchgangs.
Heute rechnet dein Computer kontinuierlich mit:
- Aktuelle Tiefe und Tauchzeit
- Stickstoffsättigung verschiedener Gewebekompartimente
- Aufstiegsgeschwindigkeit in Echtzeit
- Notwendige Dekostopps mit sekundengenauen Updates
Das ist fantastisch! Aber hier kommt der Haken: All diese Vorteile verschwinden in dem Moment, in dem dein Computer ausfällt. Und ja, das passiert häufiger als du denkst – Batterieprobleme, Wassereintritt, Softwarefehler oder einfach ein unglücklicher Stoß gegen einen Felsen.

Das Prinzip der Redundanz: Warum einer nicht reicht
Im technischen Tauchen und bei dekompressionspflichtigen Tauchgängen gilt eine eiserne Regel: Du brauchst immer zwei unabhängige Systeme für Tiefen- und Zeitangaben. Das ist keine übertriebene Vorsicht – das ist der Standard, der Leben rettet.
Die Logik dahinter ist simpel: Wenn System A ausfällt, springt System B ein. Keine Panik, keine Improvisation in 30 Metern Tiefe, kein Rätselraten über deine Dekoverpflichtungen.
Du hast dabei zwei Möglichkeiten:
Option 1: Zwei separate Tauchcomputer
- Vorteil: Beide rechnen unabhängig voneinander
- Nachteil: Teuer und beide können unterschiedliche Werte anzeigen
Option 2: Tauchcomputer + Bottom Timer + Dekotabellen
- Vorteil: Echte Unabhängigkeit, du behältst die Kontrolle
- Nachteil: Erfordert mehr Planung und Übung
Wir als aktive Taucher empfehlen dir ganz klar: Lerne beides! Ein zweiter Computer ist praktisch, aber das Verständnis für manuelle Dekoplanung macht dich zu einem besseren und sichereren Taucher.
Runtime-Tables: Dein analoges Backup
Runtime-Tables (oder Laufzeittabellen) sind dein Rettungsanker, wenn die Elektronik streikt. Sie zeigen dir für jeden Zeitpunkt deines geplanten Tauchgangs:
- Maximale Tiefe zu diesem Zeitpunkt
- Kumulierte Grundzeit
- Erforderliche Dekostopps mit Tiefe und Dauer
- Gasverbrauch und Gaswechselpunkte
Der große Vorteil: Diese Tabellen erstellst du vor dem Tauchgang. Mit Software wie MultiDeco, Subsurface oder den Planungstools deines Computers generierst du einen kompletten Dekoplan. Diesen schreibst du dann auf eine wasserfeste Schreibtafel oder in dein Wetnotes-Buch.
Wichtig: Deine Runtime-Table basiert auf deinem geplanten Profil. Wenn du signifikant davon abweichst (tiefer, länger), brauchst du Kontingenzpläne – also zusätzliche Tabellen für Worst-Case-Szenarien.

Die richtige Ausrüstung für dein Backup-System
Tauchcomputer mit echten Planungsfunktionen
Moderne High-End-Computer wie die Shearwater-Modelle oder der Garmin Descent bieten integrierte Planungsmodi. Damit kannst du deinen Tauchgang im Voraus simulieren und die Dekowerte direkt am Gerät checken.
Aber Achtung: Auch der beste Computer ersetzt nicht die manuelle Planung. Er sollte dein primäres Tool sein, nicht dein einziges.
Bei uns in der Tauchwerkstatt beraten wir dich gerne zu den verschiedenen Modellen – von Einsteiger-Computern bis zu Tech-Diving-Boliden. Schreib uns einfach über unser Kontaktformular!
Schreibtafeln und Wetnotes
Hier wird's analog – und das ist gut so! Eine ordentliche Schreibtafel oder ein Wetnotes-System gehört zur Grundausrüstung jedes ernsthaften Tauchers:
- Schreibtafeln: Kompakt, günstig, schnell beschrieben
- Wetnotes: Mehr Platz für komplexe Pläne, Karten und Notizen
- Arm-Slates: Immer im Blickfeld, perfekt für Runtime-Tables
Pro-Tipp: Schreib deine Runtime-Table mit wasserfestem Bleistift. So kannst du sie nach dem Tauchgang radieren und die Tafel wiederverwenden. 🔥

Praktische Umsetzung: So planst du richtig
Okay, genug Theorie. Hier ist dein konkreter Fahrplan für sichere Dekoplanung:
Schritt 1: Tauchgang am Computer oder mit Software planen
Gib deine geplante Tiefe, Grundzeit und Gasgemische ein. Lass dir den kompletten Dekoplan berechnen.
Schritt 2: Runtime-Table erstellen
Übertrage die wichtigsten Daten in eine übersichtliche Tabelle:
| Zeit (min) | Max. Tiefe (m) | Aktion |
|---|---|---|
| 0 | 0 | Abtauchen |
| 2 | 40 | Grundphase |
| 25 | 40 | Aufstieg beginnen |
| 28 | 21 | Gaswechsel O2 50% |
| 35 | 6 | Dekostopp 3 min |
| 38 | 3 | Dekostopp 5 min |
| 43 | 0 | Auftauchen |
Schritt 3: Kontingenzplan hinzufügen
Was, wenn du 5 Minuten länger unten bleibst? Erstelle eine zweite Tabelle mit verlängerter Grundzeit und den entsprechend längeren Dekostopps.
Schritt 4: Alles auf die Schreibtafel übertragen
Schreib beide Pläne (Standard + Kontingenz) auf deine Tafel. Befestige sie so, dass du sie jederzeit lesen kannst – auch mit dicken Handschuhen.
Schritt 5: Briefing mit deinem Buddy
Geh den Plan gemeinsam durch. Dein Buddy sollte wissen, was auf deiner Tafel steht und wie ihr im Notfall vorgeht.
Gasanalyse nicht vergessen!
Wenn du mit Nitrox oder Trimix tauchst, ist die korrekte Gasanalyse vor dem Tauchgang absolut entscheidend. Dein gesamter Dekoplan basiert auf den Sauerstoff- und Heliumanteilen in deinen Flaschen. Ein Fehler hier macht alle Berechnungen nutzlos – egal ob digital oder analog.
Mit präzisen Analysegeräten wie dem Divesoft SOLO Analyser oder dem Divesoft DNA Analyser checkst du deine Gasgemische schnell und zuverlässig. Das gehört zur Routine vor jedem ernsthaften Tauchgang. 💪

Fazit: Vertrauen ist gut, Redundanz ist besser
Dein Tauchcomputer ist ein fantastisches Werkzeug – aber er sollte nie dein einziges sein. Die Kombination aus modernem Computer, analoger Runtime-Table und dem nötigen Know-how macht dich zu einem selbstständigen, sicheren Taucher.
Das bedeutet nicht, dass du Angst vor Technik haben sollst. Es bedeutet, dass du verstehst, was dein Computer tut – und dass du im Notfall nicht hilflos bist.
Hier nochmal die wichtigsten Punkte:
- ✅ Immer zwei unabhängige Systeme für Tiefe und Zeit
- ✅ Runtime-Tables vor dem Tauchgang erstellen und mitführen
- ✅ Kontingenzpläne für Worst-Case-Szenarien vorbereiten
- ✅ Gasanalyse vor jedem Nitrox- oder Trimix-Tauchgang
- ✅ Briefing mit dem Buddy – er muss deinen Plan kennen
Du willst tiefer in die Materie einsteigen? Bei unserer Tauch-Weiterbildung lernst du alles über Dekoplanung, Gasmanagement und Redundanzsysteme. Oder komm einfach bei uns in der Tauchbasis vorbei – wir quatschen gerne über dein Setup!
Tauch sicher, tauch smart! 🤿























