Professioneller Tarierungscheck beim Tauchen

Absolut! 🤿 Wer schon einmal wie ein Stein abgetaucht ist oder am Sicherheitsstopp wie ein Korken nach oben gezogen wurde, weiß: Das richtige Blei beim Tauchen ist das A und O für entspannte Tauchgänge. Überbleiung führt zu einem klobigen Wasserhaushalt, hohem Luftverbrauch und unnötiger Anstrengung, während zu wenig Blei das Abtauchen zur echten Geduldsprobe macht.

Als aktive Taucher wissen wir bei der Tauchwerkstatt, wie wichtig eine perfekte Tarierung ist. In diesem ausführlichen Guide zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dein optimales Gewicht ermittelst, welche Bleiarten es gibt und wie du deine Bleimenge an verschiedene Anzüge anpasst.


1. Wovon hängt die richtige Bleimenge ab?

Bevor du ins Wasser springst, solltest du verstehen, welche Faktoren deinen Auftrieb beeinflussen. Jeder Körper verhält sich im Wasser anders, und deine Ausrüstung verändert sich von Tauchgang zu Tauchgang.

Die wichtigsten Einflussfaktoren im Überblick:

  • Körperbau und Lungenvolumen: Ein hoher natürlicher Muskel- und Knochenanteil sinkt leichter, während viel Körperfett (Adipositias) und ein großes Lungenvolumen für mehr Auftrieb sorgen.
  • Neoprenstärke und Anzugart: Je dicker der Neoprenanzug (z. B. ein robuster 7 mm Nassanzug oder ein Trockentauchanzug mit dickem Unterzieher), desto mehr Blei benötigst du.
  • Wasserart (Salz vs. Süßwasser): Im Salzwasser ist der Auftrieb durch den Salzgehalt deutlich höher als im Süßwasser – du brauchst hier ca. 1–2 kg mehr Blei.
  • Flaschentyp und -größe: Eine schwere Stahlflasche (z. B. 12L lang) zieht dich nach unten, während eine leichtere Aluminiumflasche (oder eine fast leere Stahlflasche am Tauchgangende) zusätzlichen Auftrieb erzeugt.

2. Die richtige Bleiart: Gürtel oder integriertes Blei?

Die Wahl des Bleisystems entscheidet über deinen Komfort und deine Sicherheit unter Wasser. Moderne Tarierjackets und Wingsysteme (wie unsere hochwertigen xDeep- oder Scubaforce-Wings) bieten hervorragende Optionen:

  • Integriertes Blei (Gewichttaschen am BCD/Wing): Diese Taschen sind genial für den Komfort. Sie entlasten deinen unteren Rücken komplett und lassen sich im Notfall umgehend über Schnellabwurf-Schnallen abwerfen.
  • Klassischer Bleigürtel oder Bleiharnisch: Besonders im technischen Tauchen oder bei bestimmten Nassanzügen bewährt. Ein flexibler Gummigürtel verrutscht nicht und sitzt auch bei dicken Anzügen sicher auf der Hüfte.

Integriertes Blei an einem modernen Wing-Jacket einstellen


3. Der große Start: Faustformeln für den ersten Tauchgang

Natürlich fängst du nicht blind an. Als Faustregel für den Einstieg gilt:

  • Im Salzwasser: ca. 8 bis 10 % deines Körpergewichts (mit Standard-7mm-Nassanzug).
  • Im Süßwasser: ca. 6 bis 8 % deines Körpergewichts.
  • Mit Trockentauchanzug: Hier kommt es stark auf den Unterzieher an – oft rechnet man zusätzlich 4 bis 6 kg extra im Vergleich zum Nassanzug ein.

Beispiel: Wiegt du 80 kg und tauchst im warmen Salzwasser mit einem dünnen 3mm-Anzug, reichen oft schon 4 kg Blei völlig aus. Mit einem dicken Kälteschutzanzug im heimischen See können es schnell 8 bis 10 kg werden.


4. Der Tarierungstest an der Oberfläche (Der große Start-Check)

Den ultimativen Praxistest machst du am besten direkt vor dem Abtauchen. So funktioniert der Oberflächen-Check:

  1. Voll ausgerüstet ins Wasser gehen (an einer Stelle, an der du nicht stehen kannst).
  2. Jacket und Anzug komplett entlüften, damit keine Restluft für Auftrieb sorgt.
  3. Nimm den Regler in den Mund, halte dich aufrecht im Wasser und bewege weder Arme noch Beine.
  4. Atme tief ein (volle Lunge): Die Wasserlinie sollte sich nun etwa auf Augenhöhe befinden. Sinkst du mit voller Lunge tiefer ein, hast du zu viel Blei.
  5. Atme vollständig aus: Jetzt solltest du langsam und gleichmäßig absinken. Bleibst du kerzengerade an der Oberfläche stehen, fehlt dir Blei.

Tarierungstest an der Wasseroberfläche durchführen


5. Der entscheidende Test: Tarierung am Tauchgangende (Sicherheitsstopp)

Viele Taucher machen den Fehler, nur an der Oberfläche zu testen. Der wichtigste Test findet jedoch am Ende des Tauchgangs statt, wenn deine Flasche fast leer ist (ca. 30 bis 50 bar Restdruck) und dein Jacket komplett leer ist.

  • Begeben Sie sich auf 3 bis 5 Meter Tiefe zum Sicherheitsstopp.
  • Halte an und atme ganz normal mit halb gefüllter Lunge.
  • Du solltest jetzt perfekt schweben, ohne nach oben oder unten zu treiben.
  • Beim Einatmen steigst du leicht auf, beim Ausatmen sinkst du langsam ab.

Wenn das klappt, ist deine Bleimenge perfekt gewählt! Du kannst dich bei Fragen rund um Ausrüstung und Tarierung übrigens jederzeit an uns wenden – schau einfach in unserem Kontaktbereich vorbei oder melde dich direkt via WhatsApp. Wir helfen dir umgehend weiter! 📞


6. Korrektur bei verschiedenen Anzügen: Nass vs. Trocki

Dein Auftrieb verändert sich, je nachdem welchen Kälteschutz du trägst. Das Neopren im Nassanzug komprimiert sich mit zunehmender Tiefe (durch den Wasserdruck verliert es an Auftrieb), während ein Trockentauchanzug mit Luft gefüllt ist, die du aktiv tarieren musst.

  • Nassanzug: Braucht an der Oberfläche mehr Blei, da dickes Neopren stark aufträgt. In der Tiefe (ab 20 m) verlierst du spürbar Auftrieb, da das Neopren zusammengedrückt wird.
  • Trockentauchanzug: Hier tarierst du primär über die Anzugluft. Die Bleimenge muss so gewählt sein, dass du auch bei vollem Trocki und leerer Flasche am Sicherheitsstopp stabil bleibst. Ein dicker Thinsulate-Unterzieher erfordert spürbar mehr Blei als ein leichter Fleece-Anzug.

Technischer Taucher beim perfekten Tarieren in der Tiefe


Fazit: Weniger ist oft mehr

Eine saubere Tarierung schont deine Luft, schützt die Unterwasserflora und sorgt für ein entspanntes Gefühl bei jedem Tauchgang. Nimm dir beim nächsten Mal die Zeit für den Tarierungstest und passe dein Blei in kleinen Schritten von 0,5 bis 1 kg an.

Du brauchst noch das passende Zubehör, Bleitaschen oder ein neues Tarierungs-Setup? Entdecke unser ausgewähltes Sortiment in der Tauchwerkstatt – als aktive Taucher beraten wir dich jederzeit gerne persönlich und kompetent!

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